When I connected the dots – just to get lost & found again. traversée la france 2020.

 

 

i had this idea.

this idea –

of connecting the dots.

of exploring the unknown.

of pedaling & pushing my bike through wilderness

& lonely mountain ranges

to get lost & found again.

i had this idea.

& i followed my heart with all of it`s strength.

 

 

Es ist dunkel. Nur der Mond und die Sterne leuchten über mir. Es ist Nacht und ich ziehe langsam meine Bahnen durch den See, dessen Wasser dunkel um mich strömt und dessen Tiefe ich nicht einschätzen kann. Es ist Nacht. Und es ist schon viel zu spät – zu spät, um noch zu gehen. Und ich sehe auf und entdecke – eine Sternschnuppe am Himmel, die sich mit ihrem langen Schweif am Himmel vor meinen Augen ausbreitet. Und so schnell wie sie erscheint, auch wieder verschwindet. Ich sende ihr meinen Wunsch – und fühle Erfüllung. Freiheit. Und endlich wieder Zuversicht.

Ich weiß, dass ich jetzt gehen muss. Es ist schon viel zu spät – und ich, zu weit. Zu weit gegangen, um hier noch zu bleiben. Ich weiß es. Und wir wissen es.

Es ist dunkel. Nur der Mond und die Sterne leuchten über mir. Es ist Nacht und ich liege ruhig in meiner Hängematte. Die ersten 130 km meiner gut 2000km langen Tour durch Frankreich liegen hinter mir – und ich bin mittendrin. Mittendrin im Nirgendwo. Den Bergen des Juras, den Weiten der Hochplateaus. Ich bin mittendrin – und zurück im Leben.

 

riding straight back – into life. 

 

Die Tiefe, Härte & Weite dieser Tour – ich werde sie in diesem Moment noch nicht einschätzen können. Ich bin alleine – und will es gar nicht anders sein. Ich bin dankbar – befreit – jedoch noch ohne Zuversicht und voll mit Leere. Niemals habe ich so klar den Schwarzwald hinter mir lassen, nie so klar zu meinem eigenen Aufbruch Ja sagen können. Niemals vorher wusste ich es deutlich, dass ich nur noch eins zu tun hatte: mein Rad ztu packen und einfach loszuradeln.

Es ist frühmorgens – und ich quäle mich aus dem Bett. Bleischwer fühle ich mich. Habe kaum geschlafen und noch bis ewig in die Nacht das Rad gepackt. Der Track, der mich auf weit über 1000 km bis zum Mont Ventoux – als ersten und potentiell finalen Endpunkt dieser Tour – leiten soll, steht. Erst seit einigen Stunden, aber immerhin – er ist existent und in hoffentlich brauchbaren, in Abschnitte unterteilten Stücken auf mein GPS exportiert.

Ich bin müde, platt, leer. Und dennoch habe ich keine Wahl – ich muss und ich darf endlich los. Drei Wochen liegen vor mir – und kein Tag soll vergehen, an dem ich ihn nicht voll & ganz unterwegs am Rad genutzt haben werde. Ich schwinge mich aufs Rad, ziemlich bepackt. Ohne Kocher, dafür mit einem Liter Wasser mehr. Denn ich ahne, dass es heiß werden wird und ich jeden Tropfen Wasser wohl noch mehr schätzen werde als ein warmes Abendessen.

 

far away – but still like right at the start.

 

Ein paar Meter rolle ich in der Früh los, bis ich durch meine wackeligen Cleats an meinen Klickpedalen schon wieder anhalten muss. Beim Festzziehen der Schrauben fällt mir auf, wie abgelatscht meine Cleats mal wieder sind – und ich zweifle stark daran, dass sie auf dieser Tour lange überleben werden. Wehmütig betrachte ich meine schon sehr zerlöcherten Schuhe dazu und denke an das Paket mit den neuen Cleats, das leider gerade noch irgendwo in Deutschland hängt und mich nicht mehr pünktlich genug erreichen wird. Leichte Panik steigt auf – doch ich schiebe sie vehement zur Seite. Ich habe gerade das beste Material, das ich haben kann. Für mehr oder weniger ist kein Platz – kein Raum, um länger darüber nachzudenken. Auch nicht über mein so leeres Konto, denn nach wie vor sind meine finanziellen Mittel mehr als beschränkt. Ist es ein Irrsinn, dennoch loszuziehen? Ist es zu riskant? Wohl nicht – denn leben müsste ich auch, ohne Unterwegs zu sein. Und unterwegs – fällt das Leben ohnehin minimalistisch und günstiger aus als im normalen Alltag. Dennoch – meine Finanzen und materiellen Bedenken werden mich begleiten. Tag für Tag, Kilometer um Kilometer. Doch vielleicht – sind sie auch nur ein Rettungsanker, um mein leeres Herz zu schützen. Mir zu verwehren, wirklich nachzudenken. Über die Dinge, die passiert sind. Die Menschen, die ich gehen lassen darf. Die Träume, die vorüber sind. Die Visionen & Wünsche, die niemals für real bestimmt waren.

 

Ich radle los und lasse den Schwarzwald links neben mir liegen. So schnell es geht versuche ich, die Schweizer Grenze zu erreichen. Die Schwarzwaldheimat – ich muss sie gerade gehen lassen. Könnte keine Sekunde lang mehr hier sein, fühle mich ihr nicht mehr zugehörig, möchte raus aus ihr – so schnell wie irgend möglich.

 

Langsames Ankommen – Erklimmen von Burgen & Bergen, Packen von Nahrung & Nahrung!

 

Ich erreiche die Burg Rötteln und kann bis weit über die Schweizer Grenze blicken – sehe genau das, was jetzt vor mir liegt: Berge, Freiheit, Weite, Ungeahntes & faszinierende neue Landschaften. Ausblicke wie dieser werden mich nun täglich begleiten und begeistern – mich jeden Tag aufs Neue staunen und abschalten lassen. Ich hätte hundert und eine Möglichkeiten, um anzuhalten. Auf einen Kaffee, oder zwei. Auf einen Kuchen, oder drei. Doch ich habe keine Ruhe. Muss & will immer weiter. Immer weiter. Ich fahre durch, bis mir abends langsam der Magen in den Knien hängt und ich nach den ersten steilen Jurarampen in einem kleinen Örtchen strande und hier endlich etwas zu futtern finde – einen kläglich spärlichen Salat für stolze 10 Franken später klettere ich jedoch schon wieder und noch teils hungrig den nächsten Berg hinauf. Es dämmert schon und ich versuche nach einem möglichen Schlafplatz für meine Hängematte Ausschau zu halten. Doch je höher ich komme, desto steiniger wird der Pfad. An Fahren ist schon lange nicht mehr zu denken und so schiebe ich im Halbdunkel mein Rad über einen schmalen Trail, der auf einem Höhenzug Richtung einem Aussichtsfelsen führen soll. Wie immer verfluche ich mich etwas – wie immer hat es mich mal wieder mehr fasziniert, in den Sonnenuntergang zu radeln, statt mal früh einen ordentlichen Schlafplatz gefunden zu haben. Doch – wie immer, soll es sich auch hier wieder lohnen. Denn sobald mich der Pfad am Endpunkt, einem massiven Felsen, ausspuckt, befinde ich mich auf einem atemberaubenden Plateau mit einer wundervollen Aussicht, die mir einen mit der untergehenden Sonne brennenden Horizont präsentiert. Es ist still und in der Ferne bimmeln laute Kuhglocken. Nichts & niemand ist hier – bis auf eine Bank mit Tisch und mehreren Bäumen, unter denen ich tatsächlich zwei perfekt auf Abstand stehende Exemplare für meine Hängematte ausfindig machen kann.

 

Stille Hängematten – und Ankommensmomente. 

 

Es sind genau diese Momente, die mich magisch anziehen. Diese Momente, in denen man von der einen auf die andere Sekunde sesshaft und ruhig wird. Diese Momente, in denen man plötzlich sein Zuhause auf Zeit findet, man ankommt. Sich zur Ruhe kommen lässt. Auf dieser Tour wird es viele von diesen geben – Momente, in denen ich zum Beispiel erst tief in der Dunkelheit nach ewigem Schieben, Pushen und Rumstolpern auf Steilhängen eine Übernachtungsmöglichkeit fand. Wenn sich manchmal schon die Verzweiflung breit macht und die Zweifel zu nagen beginnen, öffnet sich im richtigen Moment immer die eine, rettende Tür – die Stimmung schlägt um und Dankbarkeit und Demut machen sich breit.

 

Es dauert an diesem Abend nicht lang, bis ich müde und zufrieden in meiner Hängematte schaukle und in den glasklaren Sternenhimmel schaue. Die Kuhglocken bimmeln mich langsam in den Schlaf – und ich bin schneller weg, als ich noch meine Zähne an diesem Abend putzen kann. Morgens wache ich noch vor dem Sonnenaufgang auf und eile pünktlich  zum strahlenden Morgenrot vor an den Felsen – begrüße die aufgehende Sonne mit einem breiten Grinsen und begebe mich umgehend daran, meine sieben Sachen wieder zusammenzupacken. Die Sesshaftigkeit wandelt sich morgens binnen Sekunden in meine Nomadenseeligkeit um – schon kurze Zeit später stehe ich vorm ersten Trail, der steil bergab führt – ein schmaler Wanderpfad, und: unfahrbar. Ich darf mich also erstmal warmlaufen – erst bergab, dann ziemlich bald aber auch schon wieder bergan. Die Berge und Steigungen des Juras haben es in sich. Sie sind steil, unwegsam und lang. Nicht nur einmal fühle ich mich in die Steigungen der Grenzsteintrophy zurückversetzt und wuchte meinen Panzer ohne Murren die Berge und Stiche hinauf. Die Sonne klettert derweil immer höher am Horizont und lässt die Hitze, die mich noch bis Nizza begleiten wird, schon wieder früh am Tag erahnen. Diese Hitze wird mich nicht mehr alleine lassen – ebenso die mit ihr verbundenen Hitzegewitter und der Regen, der mich am allerliebsten nachts aus der Hängematte scheuchen wird, um doch noch schnell das Tarp über mir aufzuspannen.

 

 

Glück, Weite & Einsamkeit im wilden Jura. 

 

Der Jura fasziniert mich – wieder mal aufs Neue. Es ist das erste Mal, dass ich ihn mit dem Rad so richtig durchquere, das erste Mal, dass ich hier fernab der Straßen unterwegs bin und mich so in den Tälern des Doubs verlieren kann. Es ist genau das richtige, um die Einsamkeit zu empfangen und mich voll auf den neuen Draussenzuhause-Rhythmus einzustellen. Während ich hier am Tag durchschnittlich nur knappe 130 km an Strecke schaffe, die jeweils meist um die 3000-4000 Hm beinhalten, frage ich mich jedoch bei aller Zufriedenheit dennoch täglich, ob ich diese Tour wirklich schaffen kann – ob ich jeden Tag diese Tourenhärte leisten kann.

 

Denn der Track von #connectingthedots ist für mich nicht in Worte zu fassen – und ich kann auch kaum erahnen, was er mir bereit halten wird. Denn vorab war es nunmal erstmal wie immer – ein erstes Bauchgefühl, eine kleine Vision, ein Wunsch von etwas Neuem, etwas Eigenem. Als klar war, dass ich gute 3 Wochen frei bekommen würde, um diese nur am Rad zu verbringen, entschied ich mich kurzfristig, diese 3 Wochen nicht an ein Event zu binden, sondern meinem eigenen Gefühl zu folgen – und mir somit einige lang gehegte Träume zu erfüllen. Wie lange schon zogen mich die Durchquerung des Juras, der Auvergne sowie eine Erkundung der Cevennen und Ardéche sowie eine Rückkehr in die Gorges du Verdon an. Und wie lange schon habe ich es vor mir hergeschoben –  für eben genau jetzt: für diesen, richtigen Moment. Den Moment und die Chance, um alles einfach miteinander zu verknüpfen – in Reihe zu fahren. Als eine Durchquerung – eine Vision. Eine Vision von #connectingthedots. Der Track bildete sich in den Wochen vorab schon spürbar in meinem Kopf – ich musste ihn nur noch auf „Papier“ und somit unter meine Räder bringen. Nun schlummerte er in 5 Abschnitte verpackt ruhig auf meinem Garmin – und ich durfte einfach schauen, was nun passiert.

 

 

I. Am. Captured.

landscapes are changing – the trails are flowing,

 the climbs are steep & heavy as usual.

 riding one high plateau over another makes me happy

& feeling free as a bird again.

 

 

Es wird mehr als eine Woche und die Ankunft in Lyon dauern, bis ich alle Zweifel über Bord werfen kann. Zu belastend waren meine finanziellen Gegebenheiten und meine inneren Zweifler. Zu viel hinterfragte ich, ob ich es wirklich schaffen konnte. Doch mit jedem Tag, jeder Pedalumdrehung und mit jedem Gebirge, das ich mehr durchquerte, wuchs meine Stärke und die Zuversicht, es schaffen zu können. Frankreich und seine Wildnis veränderte mich – langsam, und Tag für Tag. Es ist immer noch nachhaltig spürbar – auch wenn ich zuerst dachte, es wäre nichts mit mir geschehen. Die Momente der Einsamkeit, der höchsten Konzentration, der inneren Stille & Stärke, der tiefen Verbundenheit mit der Natur, das Eins-werden mit den Elementen, das Ausgesetzt-Sein im Hier & Jetzt – all das verändert. Nachhaltig. Und grundlegend.

 

Kleine Freuden am Wegesrand bis zur Ankunft in Lyon.

 

& weitere kleine Freuden unterwegs. Körperfuel & Seelennahrung. 

 

Während ich mich bewusst für die Einsamkeit entschied, waren es dennoch ebenso die kleinen zwischenmenschlichen Begegnungen, die mich während dieser Tour getragen und begleitet haben. Während ich nach jeder Durchquerung, jeder Zwischenetappe und jedem Erreichen von tiefen Tälern mit meinen eigenen Tiefen zu kämpfen hatte, ich mich immer wieder aufs Loslassen und Weitermachen zu fokussieren hatte, waren es manchmal die unerwarteten Begegnungen mit besonderen Menschen, die mich auftanken und kurz ankommen ließen.

 

„bonne courage“

– it`s said here in france.

bonne courage –

it`s what I really need.

urgently & honestly.

 

Wie im Traum erinnere ich mich zum Beispiel an den Moment, in dem ich auf einem Campingplatz morgens zu Kaffee, Tee, Obst und einem wohltuenden Schnack eingeladen wurde. Ich saß gerade noch vor der Rezeption des Campingplatz und nutzte das WLAN für meine weitere Routenplanung, als ich innerlich so viel Druck verspürte, dass ich eigentlich nur noch weinen wollte. Ich wusste, dass ich eigentlich eine Pause brauchte – doch konnte ich sie mir selbst nicht geben. Und dann, plötzlich, steht dort eine Frau vor mir, lächelt mich an und fragt mich, ob ich nicht Lust hätte, mit ihr und ihrem Mann einen Tee zu trinken. Ich war hin- und hergerissen. Hatte die vielen Menschen um mich herum doch eigentlich so satt und wollte eigentlich nur noch eins: zurück aufs Rad & weg von hier. Die Nacht war anstrengend gewesen: mit meinem Dickkopf hatte ich es am Abend zuvor noch auf über 170km bei sengender Hitze von den Cevennen bis in die Ardéche und kurz vor Pont d`Arc geschafft – nur um dann festzustellen, dass hier alles überwacht und zugebaut war und ich in der Dunkelheit keinen Platz mehr zum sicheren Biwakieren ausfindig machen konnte. Mehr als lost landete ich dann zufällig auf dem besagten Campingplatz, dessen Betreiberin sich noch alle Mühe gab, um mit mir weit nach 22 Uhr zwei passende Bäume für meine Hängematte „aufzutreiben“. Doch Fehlanzeige. Irgendwann konnte ich ihr klarmachen, dass ich mein Biwak einfach auf dem Boden einer der Campingparzellen aufschlagen würde. Es muss ein ulkiges Bild gewesen sein – nur mein Rad und ich, ungeschützt inmitten und zwischen all der Wohnwagen, Autos, Bullis, Zelte und kleinen Menschentrauben. Auf dem Boden, der hart wie Stein war, schlief auch ich ebenfalls wie ein Stein – und wachte morgens ziemlich zerknautscht davon auf, dass die ersten Frühaufsteher um mich herum schon umtriebig wurden. Dieser Biwakplatz würde mich im Folgenden 23€ kosten – ein Loch in meinem Geldbeutel, das mir mehr als wehtun würde.

 

 

Ankunft in der Einsamkeit – Ankunft bei mir selbst, zuhause. 

 

Doch wie es immer so ist – hatte es auch hier seinen Grund. Denn ich fasste mir mein Herz und folgte der Tee-Einladung. Und verbrachte somit im kleinen Camp der beiden Nordlichter aus Deutschland ein paar heilsame und energiespendende Stunden. Ich konnte kurz innehalten, zur Ruhe kommen. Mich mit Menschen austauschen, die ähnlichen fühlten und dachten wie ich – Menschen, die wussten, was es bedeutete, minimalistisch unterwegs zu sein und immer wieder aufs Neue das Loslassen üben zu müssen – und vor allem, zu dürfen.

Momente wie diese, und jene, als ich am Gipfel des Chasserons dazu eingeladen wurde, die Bäume unterhalb des Berghotels für mein Biwak zu nutzen und eine heiße Dusche im Hotel wahrzunehmen, schenken mir heute noch ein tiefes Gefühl von Glück, Dankbarkeit & Zufriedenheit. Es sind diese Begegnungen, die mir unterwegs eine besondere Tiefe & Wärme schenken. Die mich weitertragen. Kurz vor dem Creux du Van – einem riesigen Felskessel inmitten des Juras – treffe ich auf einen Einheimischen und frage ihn kurz nach dem Weg. Als er realisiert, wo ich hinmöchte und was ich hier tue, ruft er mir vollkommen begeistert zu: „Creux du Van avec le Velo – je t`aime! Je t`aime!“ (=„Creux du Van mit dem Fahrrad – ich liebe Dich! Ich liebe Dich!“). Ich lache noch heute, wenn ich mich daran zurück erinnere. Offenheit & Herzlichkeit begegnen mir – und ich gebe davon alles zurück, so gut ich kann.

 

 

… there she is – again.

free as a bird & his wings to fly.

 

 

Die Landschaft um mich herum macht es mir leicht, offen und herzlich zu bleiben. Die Landschaften verändern sich und mich täglich. Die Kargheit und Wildheit des Juras wird zur weiten Ebene des Dombes und der Vorgebirge von Lyon – Lyon pulsiert und nimmt mich entlang des Rhone-Kanals in Empfang. Der Livradois überrascht mich mit seinen Höhen und seiner unglaublichen Weite, die mich bis weit zur Auvergne und ihrem markanten Puy de Dôme blicken ließ und mir die Freiheit schenkte, weiterzumachen, statt umzukehren. Die Auvergne nahm mich in ihren Bann – mit ihren wilden Vulkanzügen, ihrer Einsamkeit, ihrer besonderen Stille & Atmosphäre. Folgend verlor ich im L`Aubrac das Gefühl von Raum & Zeit – genoß die Freiheit dieses riesigen Hochplateaus, flog über Trails und Doubletracks, ließ meinen Gedanken und Gefühlen freien Raum. Immer wieder genoss ich es, nach Stunden in verlorenen Landschaften kleine Orte zu erreichen, kurz aufzutanken, meine Nahrungsvorräte wieder aufzufüllen und die für etwa 3 Tage provisorisch vorgelegten Futterpäckchen, die überall irgendwo an meinem Panzer (alias mein Rad :)) verteilt waren, zu ergänzen. Ich wusste nie wirklich, wann ich das nächste Mal Gelegenheit dazu haben sollte – und so nutzte ich dankbar jede, die ich bekommen konnte. 

 

 

Getting lost. In Landschaften. & Raum & Zeit. 

 

Als ich die Cevennen und den Grand Casse erreiche, weiß ich, dass ich richtig bin. Dass mich hier nichts mehr aufhalten kann. Mit den Nacht- und Tagesrhythmen eins geworden, durchquere ich die Ardéche und verliere mich in den Tiefen der Gorges du Tarn – schlage den weiten Bogen über steinige Trails und zwischen endlosen Weinbergen bis auf den Mont Ventoux und kann nicht aufhören, meinem Bauchgefühl noch weiter zu folgen. Dieser initiale Endpunkt, der Mont Ventoux, der schon lange keiner mehr ist, zieht mich auf über 20 km auf seinen 1900 Meter hohen Gipfel – lässt mich im 360° Blick eine atemberaubende Rundumsicht genießen – & lässt mich kurz aufatmen. Um dann doch noch weiterzumachen. Ich bin seit über zwei Wochen kontinuierlich unterwegs – jedoch weiß ich, dass ich noch nicht angekommen bin – und trete weiter in die Pedale.

 

Wie instinktiv durchquere ich Frankreich weiter – quer durch weite und duftende Lavendelfelder, endlose Weiten, lasse mich von Höhen und Tiefen tragen, schwitze und pushe das Rad in der sengenden Hitze voran. Ich kurble weiter und weiß gute 24 Stunden später, wofür. Um anzukommen. An einen Ort, an dem ich schon mal war. Damals rastlos, haltlos. Ohne roten Faden. Am anderen Ufer. Und heute – am Rive Gauche der Gorges du Verdon, trete ich wieder in die Pedale. Diesmal jedoch ruhig, atmend, ganz bei mir. Es sind Welten und Kontraste die ich hier erfühlen kann – Welten und Kontraste zwischen Jahren und dem permanenten Fokus auf ein Leben, das ich immer leben wollte.

 

& i am still out there.

riding & pushing unknown trails, exploring stunning & endless landscapes.

i am still out there, stoked. grateful. humbled. & overhelmed.

cause afterwards –

it`s just about being here.

simply being alive, while being connected with nature –

as well as my body & mind.

as pure & honest as i can.

 

 

“Ankommen” am Mont Ventoux – bei über 1500km und 30.000 Hm. 

 

Meine Tage bestehen nur aus Radeln. Es ist ein so natürlicher Rhythmus geworden, den ganzen Tag nichts anderes mehr zu tun. Pausen bestehen aus Kaffeenachschub (wenn es denn doch mal ein Örtchen und eine mit verbundene Zivilisation gibt)  & dem Nachschub an frischen Nahrungsmitteln. Ich verdrücke kiloweise Obst – und schleppe es auch kiloweise mit mir mit. Was zusätzlich zu Beginn als Betthupferl begann, entpuppt sich abends schon nach einer Woche als vollwertige Mahlzeit: Dessertschokoladenblöcke. Ich, die eigentlich wirklich kein Schokoladenfan ist, erkannte in Frankreich den Nutzen von dieser Dessertschokolade, die, wenn sie einen ganzen Tag mit in der Rahmentasche rumfährt, in der Hitze bis abends in eine perfekte Konsistenz geschmolzen wird. Mit der Ermangelung meines Kochers, der ja für das zusätzliche Wasserdepot draufging, wurde es nach spätestens einer Woche schwer, mich ohne warmes Essen abends richtig satt zu bekommen. Aus einer abendlichen Schokoladendosis von zu Beginn vielleicht 2 Reihen einer Tafel wurden schon bald gute 400 Gramm Schokolade – sprich jeweils zwei Tafeln feinster Dessertschokoladenblöcke. Waren sie schon zu arg geschmolzen, wurden sie ratzfatz gerne auch einfach aufgelöffelt. Manchmal auch liebend gern nachts, um 1 Uhr, in der Hängematte. Wenn der knurrende Magen mich weckte und ich es genoss, so sehr und so simpel Mensch mit Leib & Seele sein zu dürfen.

 

exposed.

helpless.

without any shelter.

the power of nature is unbelievable

& i am humbled by her.

 

Geweckt wurde ich übrigens auch gerne von Wildschweinen – diese wurden mehr, je südlicher ich mich in Frankreich fortbewegte. Ihr nächtliches Röhren, Grummeln, Grunzen und vor allem Bodenstampfen sollte mich wohl noch das ein oder andere Mal wachhalten – und mehr denn je dankbar um die Hängematte sein lassen, die mich auf gut einem Meter über dem Boden schaukelnd hoffentlich einigermaßen schützen würde. Irgendwann gesellten sich zum nächtlichen Tierkonzert am vorletzten Abend auch noch Wölfe hinzu – ihr Jaulen und Heulen aus der Ferne faszinierte mich zutiefst und lenkte mich vom Grunzen der nahen Wildschweine – wenn auch nur kurz – gut ab. Keinen der Schlafplätze, die ich finden durfte, werde ich von dieser Tour je vergessen. Ich schlief auf Plateaus, unter wunderschönen Bäumen, Aussichtskanzeln, oberhalb von Schluchten – einfach immer wieder an besonderen Plätzen, die mir das Gefühl gaben, Zuhause sein zu können.

 

 

Im Rhythmus mit den Elementen – von Tag & Nacht. 

 

Mit den Schlafplätzen ist es ja immer so eine Sache – nie bleibe ich dort, wo ich mich nicht auch richtig wohlfühle. Es ist ein Gefühl, das bestimmt, wo ich mich abends endgültig niederlasse. Das Zeitfenster hier ist oft schmal – denn ich radle lange und bis spät in den Abend hinein. Solange, bis die Sonne meist am Horizont verschwimmt und versinkt. Solange, bis die Farben des Tages langsam zur Dunkelheit werden, solange, bis ich wirklich so richtig zur Ruhe kommen kann. Worum es mir dabei geht? Es ist ganz simpel: Darum, wirklich jede Minute zu leben. In jeder Minute zu sein – und dies gelingt mir eben am besten am Rad, während der permanenten Fortbewegung, während dem Gefühl, eine Einheit mit mir selbst und dem Rad bilden zu können.

 

 

& i kept on pedaling and pushing –

until the end.

with all of it`s consequences.

it took me a lot –

but gave me so much.

 

 

Als ich diese Tour am Meer am Rande Nizzas beende, weiß ich, dass ich mein Ankommen längst erreicht habe – dass es diesen konkreten Zielpunkt nicht gebraucht hätte. Dass ich, als ich fort aus dem Schwarzwald musste, ein Päckchen mit genommen habe und es am Weg längst fallen konnte. Irgendwo, zwischen der Auvergne und den Weiten der Cevennen, ging mein Blick in die Ferne und ich konnte Abschied nehmen. Von dem, was ohnehin schon längst vergangen war. Von dem, was ich jedoch noch immer in mir trug. Ich sehe sie noch vor mir, die Sternschnuppe. Sehe, wie ihr langer Schweif sich langsam im Himmel wie in Luft auflöst. So, wie es mein Päckchen nun tut. Ich greife einen kleinen Zettel. Will ihn symbolisch in den Wind ziehen lassen – doch halte ich den Impuls zurück.. Denn es braucht gerade einfach nicht mehr. Als einfach nur so zu sein.

 

i connected the dots –

& i ended up by the ocean.

after 18 days in the saddle, 2000 kilometres & 35.000 hm of elevation

riding & climbing in a row with less than 20% of tarmac

& mostly rocky trails and steep

& rough & unrideable climbs – 

i am finally – back – here.

 

Als ich nahe Nizza ankomme, sind meine Cleats unter meinen Schuhen vernichtet. Meine Schuhe sind zerlöchert, durchgelatscht, die Sohlen abgelaufen. Die Dichtmilch drückt sich langsam aus den kleinen Poren meiner Fahrradmäntel – sie sind komplett runter, abgefahren und abgefranst. Die dritte Dusche auf dieser Tour wäscht den Dreck, den Staub, den Schweiß und die verschorften Krusten von meinen Armen und Beinen davon – das zweite Dach über dem Kopf gibt mir das Gefühl, hier nicht ganz richtig zu sein.

Als ich hier ankomme, liegen Welten hinter mir. Welten, versteckt in 2000 km und 35.000 Hm, versteckt in einsamen Pfaden, verlassenen Plätzen und glühender Hitze. Ich bin wie in Trance, als ich im Fernbus zurück nach Hause die vergangenen Wochen gedanklich vorüberziehen lasse. Ich bin wie benebelt, betäubt und gleichzeitig – so hellwach und zurück bei mir, wie schon sehr lange nicht mehr.

Frankreich und diese Tour haben mich verändert. Durch diese Tiefen & Höhen zu gehen, die Einsamkeit zu umarmen und in den jeweiligen Momenten genau richtig zu sein, war ein GameChanger – ein innerer Wendepunkt, der all die Dinge, die ich mir schon so lange erarbeitet habe, erst so richtig manifest hat werden lassen. Erst Wochen danach realisiere ich, was Frankreich mit mir gemacht hat – wie intensiv diese Tage dort draußen wirklich waren. Wie einzigartig und unwiederbringlich all diese Erinnerungen und Erfahrungen sind. Ich bin ruhig geworden. Weil mir dies nichts & niemand mehr nehmen kann. Weil dies in mir ist – für immer. Und in jeder Sekunde. Ich bin ruhig geworden, weil ich weiß, dass all meine Zweifel, all meine Ängste, unbegründet sein dürfen – und ich sie nehmen kann, wie sie eben sind. Dass ich mich selbst annehmen kann, wie ich eben bin. Ich bin dankbar, für diese Tage der Freiheit. In Zeiten wie diesen, in denen wir gefühlt wieder in die Enge bewegen, nur noch mehr. Ich bin dankbar, für einen Körper, der mir die Chance gibt, auf diesen Touren wirklich zu sein – der mich trägt und der mich immer weiter bringt. Bis zum Schluss. Was ich mitnehme – ist unendlich. Was ich daraus lerne – ist unbezahlbar. Was ich gehen lasse – unwiederbringlich. 

 

…and by now, with all of these memories

– it`s still exactly this life that really matters to me.

i leave this idea of #connectingthedots by just being deeply grateful & changed in an inexpressible way.

thank you, Life – cause i owe you a lot.

thank you, Nature – cause you gave me all i really needed right now.

 

 

 

 

Across no borders - GST part #2 - the point of no return.

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