…& dann, noch mehr Tiefe.

 

 

Vor mir liegt – ein weißes Blatt. Und ich möchte es füllen – trotz gefühlter Leere im Kopf. Leere, die ich lange nicht hatte, Leere, die sich gut anfühlt, die sich nur langsam füllt. 

Mit Zielen, Wünschen, Tagträumen. 

Gedanken, die ich vor mich hin denke, sie ziehen lasse, sie annehme, akzeptiere, über sie nachsinniere, wenn mir gerade danach ist.

 

 

Es ist der erste Tag, hier draußen. Meine Hände greifen automatisch fest an meinen Lenker. Ich kurble, Pedalumdrehung für Pedalumdrehung, meinen ersten Pass hinauf. Rauf, 24 km bis zur Passhöhe, auf den Grimsel.

Jenen Pass, den ich schon direkt nach der OP so sehr visualisiert habe. Der mich hindurch getragen hat, durch jede noch so monotone Physio-Übung. Durch jene x-te, langweilige Wiederholung, durch jene noch so sinnlos wirkende Abfolge von kleinen Bewegungen meines Knies. Monotones An- & Abspannen. Fokussiertes Hinarbeiten auf eine Freiheit, die ich nicht länger als nötig nach hinten rausschieben wollte.

Der Sommer ist noch nicht vorbei – und ich habe mit ihm noch ein paar Rechnungen & Träume offen.

Als ich die Passhöhe des Grimsels auf über 2000m erreiche – strahle ich. Eisiger Wind peitscht mir entgegen. Es zieht. Ein paar Fotos am Passschild. Wie oft stand ich schon hier oben – in all möglichen Seelenvariationen. Glücklich, müde, platt, mit den Nerven am Ende, himmelhoch jauchzend & zu Tode betrübt.

Heute jedoch bin ich – einfach nur ruhig. Ruhig, zufrieden & glücklich.

Ich habe nicht aufgehört, an mich und meine Stärke zu glauben.

Genau zwei Monate nach der OP, die mich so viel Mut, so viel Loslassen gekostet hat, bin ich zurück.

Zurück. Und stärker, ruhiger & mehr bei mir – als jemals zuvor in meinem Leben.

 

Back at it. Where i belong to be.

 

Vor mir liegt – eine wunderschöne Zeit. 

Hinter mir liegt – eine ebenso wunderschöne, aber auch davor lange, anstrengende Zeit, an drauf-hinarbeiten, an Zielerfüllung, an einschneidenden Erfahrungen. 

Und auch: einer Zeit an einer neuen Stille. Stille, durch ein paar simple Schritte und Umsetzungen, die ich schon so lange im Alltag vorhatte. Das Löschen der App Instagram zum Beispiel. Es war eine Entscheidung, die ich schon länger gefällt hatte und durch ein Gefühl kam, das sich immer mehr in mir breit machte, wenn ich zum Handy griff und mit ein paar schnellen Daumenbewegungen in die App geswitcht war. 

 

Keep it. But Simple.

 

Vom simplen Löschen einer App.

Das Gefühl davon, dass die App mir mehr und mehr schlicht & ergreifend nicht mehr gut tat und ich sie nicht mehr so nutzte, dass es für mich einen wirklich nennenswerten Mehrwert hatte. Vielmehr zog sie mir Energie, nahm mir Fokus und raubte mir auch Zeit. Ich fragte mich mehr & mehr: was will ich denn wirklich hier? In diesem Raum voll Bilder, Erlebnisse, Erfahrungen & Impulse anderer Menschen?

Ich wollte ja – mehr vom Leben. Und mehr vom Weniger. Dazu gehörte dann eben auch der klare Schritt, etwas von meinem Handy zu verbannen, das mir den eben hierfür nötigen Fokus, die Zeit und auch die nötige Klarheit raubte, die ich gerade so sehr brauchte. 

Jetzt, ein paar Wochen danach, habe ich viele Gedanken und Erfahrungen dazu und ich frage mich, wie ich sie hier am besten teilen kann. Letztlich stelle ich mir ohnehin die Frage, ob es überhaupt ein Thema ist, darüber zu berichten. Doch glaube ich, dass es hier nicht nur um das Löschen von Instagram, sondern vielmehr auch um ein Problem geht, das uns im Alltag vielfach beschäftigt und immer präsenter wird. In all unseren Köpfen. 

 

Von dem, was anders ist.

Zu allererst vielleicht:

Ich genieße – jeden Tag. Ohne Instagram. Doch das habe ich ja vorher auch. Doch was ist jetzt, anders? Ich genieße – jeden Moment, noch ein wenig mehr. Ich genieße – ohne viele Fotos zu machen, ohne viel darüber nachzudenken, ohne schon im Moment den nächsten Post zu formulieren. Ich genieße – und dies inspiriert mehr, als jeder Feed und jede Story es jemals könnte. 

Ich genieße es, kleine Soul-Momente, die ich teilen möchte, direkt an die Menschen zu senden, denen ich gerade etwas zurückgeben möchte. Manchmal digital, manchmal via einer eigens kreierten Grußkarte, manchmal auch in Form meines Buchs, das ich versende, mit einer Widmung und ein paar Zeilen von mir persönlich darin.

Ich genieße es, gefühlt wieder mehr in die Tiefe gehen zu können – denn was ich merkte, war, dass ich manchmal nur noch „wie an der Oberfläche“ kratzte.

Nicht, weil ich es wollte, sondern weil ich dazu auch gedrängt wurde. Scrollen, wischen, kurz haften bleiben, weiterschauen. Instagram spiegelte immer mehr den schnelllebigen Alltag wider, in dem wir uns doch ohnehin schon befinden und von dem ich mich doch eigentlich so sehr frei gemacht hatte und noch viel mehr befreien wollte. 

 

Hej – & oh, Hallo – Mehr vom Leben!

Es geht um mehr (vom Leben).

Es geht hier im Ursprung nicht nur um die App – sondern um viel, viel mehr. 

Vor allem um die Frage, wie ich mein Hier & Jetzt eigentlich verbringen möchte. Wieso ich mich dort raus begebe, mich mit Herzblut meinen Visionen widme, darüber berichte, Menschen dabei mitnehme. Geht es um mich, um das, was i c h will? Oder geht es um Anerkennung, um Feedback, um Wertschätzung? Was will i c h – wirklich, wenn es kein Like, keine Community im Background, kein Wenn & Aber mehr gibt?

Fragen, die wir uns immer wieder aufs Neue stellen sollte. Und zu denen wir ohnehin immer wieder auch neue (& vielleicht auch ungewohnt und unbequeme) Antworten finden.

 

Was will ich – wirklich?

Und vor allem: wo will ich mal sein? Morgen, Übermorgen, in ein paar Wochen, Monaten & Jahren? Wo will ich hin – mit meinem Leben? Worauf zielt jeder Schritt, den ich gerade tue, wirklich ab? Es geht um Selbstführung. Nicht um Likes. Nicht um andere. Nicht um das, was ablenkt.

 

…was mich – wirklich – stärkt. Natur. Fokus. Draussen – einfach S E I N.

 

Wozu poste ich, meine Erfahrungen, meine Gedanken, meine Träume & Visionen?

Etwa deswegen, damit andere dazu „gefällt mir“ klicken? Ein Herzchen dalassen? Es – für sich – auch gutheißen? 

Wohl kaum. Das wäre nicht mein Weg. Ich frage ungern um Rat, wenn ich eine neue Idee habe. Wieso? Weil ich immer Angst habe, dass dann eine Gegenstimme kommt, eine, die meine tiefsten Ängste und Zweifel nur noch mehr anfacht, mich von meiner Idee, die mich doch eigentlich so begeistert, wieder wegbringen wird.

Ich spreche ungern über die Dinge, die ich mir im tiefsten Herzen ausmale, aus Angst, sie könnten dann gleich zerstört, schon im kleinsten Keim, erstickt werden. Und hier – bin ich oft selbst dennoch mein größter Kritiker.

Ich wollte freier sein, von Meinungen, Beurteilungen & Worten, die mich in dieser digitalen Welt auch oft negativ getroffen haben. 

Ich hatte keine Energie mehr dafür, so viele verschiedene Meinungen, Bilder, Momente, Wünsche, Träume von Menschen, die ich nicht mal persönlich kenne, im Kopf zu haben – denn ich hatte es, immer mehr und mehr. Hochsensibel wie ich bin, nahm und saugte ich alles in mir auf, und mit einem Elefantengedächtnis versehen, merkte ich mir all das auch noch – und sah nicht mehr, wie es mich immer mehr mental überlastete. Ich trug all das in meinem Kopf und meinen Gedanken mit mir rum – und es tat mir einfach & absolut überhaupt nicht mehr gut. 

 

Einfachheit. Immer wieder – blühende Einfachheit.

 

Multitasking – & was es mit dem Fokus macht.

Die letzten Monate hatten mir gezeigt, dass ich, nach vielen Jahren an absoluter Multitasking-Arbeit aus voller Kraft, all den diversen Projekten zwischen der Arbeit, Doktorarbeit, meinen Weiterbildungen und auch dem ganzen Bikepacking gerade nur noch eines brauchte: m e h r Fokus auf noch w e n i g e r Dinge. 

Ich entschied mich also, ab sofort nur noch 2 Dingen einen großen Raum zu geben: Diese bestanden aus meiner Arbeit innerhalb eines Start-Ups & dem Radfahren, dem Unterwegs- & Draußensein. Ich nahm mir mehr Zeit, genau dafür. Traf die Entscheidung, andere Dinge dafür gerade einfach liegen zu lassen oder gar nicht erst mit ihnen anzufangen. Und setzte damit eine unglaubliche Energie und eine ganz neue, andere Willenskraft frei.

 

Der Fokus – & der Abstand von Social Media. 

Mich von den sozialen Medien zu distanzieren, war in diesem Vorgehen nur eine logische Konsequenz und etwas, das den Effekt nur noch mehr verstärkt und bereichert hat. Ich hatte ganz vergessen, wie schön es bspw. ist, sich am Abend im Bulli stundenlang in analogem Kartenmaterial zu verlieren, um den nächsten Tag zu planen oder sich einfach Inspiration zu holen, wo man spontan am kommenden Tag herfahren könnte. Ich bin seit jeher ein Fan von richtigen Karten, fahre ja nur selten mit GPS und hatte dennoch das Faible dafür verloren, mich so richtig darin verlieren zu können. Ich hatte ebenfalls vergessen, wie schön es ist, wenn man die Momente einfach mal für sich behält, statt gleich teilen zu wollen. Es war so normal geworden, das zu tun und ich sehnte mich mehr und mehr nach den Zeiten, in denen ich noch ganz anders unterwegs  gewesen war und eine versendete MMS noch das größte der Gefühle war, das ich unterwegs so teilte bzw. – eben überhaupt teilen konnte.

Ich hatte es vergessen und tat diese Dinge oft nicht mehr. Auch, weil hier oft die Konzentration fehlte, man ja doch wieder ans Handy ging, Apps checkte, niemals so richtig im Hier & Jetzt war. Und plötzlich, funktionierte genau das wieder – und ich feiere und genieße dies bis heute sehr.

 

Ungeteilte Freiheit – unterwegs.

Mehr von Tiefe. 

Ich habe das Gefühl, den Menschen um mich herum wieder mehr und vor allem tiefere Aufmerksamkeit schenken zu können. Die Menschen um mich herum fühlen & nehmen es auch wahr. Das ist das Schönste daran.

Das Handy bleibt oft in den Tiefen meines Rucksacks verborgen. Kein Foto. Nur der Moment. Ich habe das Gefühl, wieder mehr Tagträume zu haben, leere Momente, Gedanken, die sich plötzlich finden und neue Ideen, die ich kreieren kann. Es ist mehr Ruhe, mehr Fokus, auch wieder mehr Sinnhaftigkeit in meinem Alltag und auch in meinem Unterwegssein eingekehrt und das ist das größte Geschenk, das ich gerade aus der Instagram & Social Media-Abstinenz schöpfen kann. 

 

Unwissenheit, was kommt.

Ich weiß noch nicht, was ich mit dieser Erfahrung anfangen möchte – außer, sie gerade einfach hinzunehmen und vor allem, zu genießen, wie sie eben ist. Nichts wäre momentan richtiger, als genau eben diesen Impulsen zu folgen. Nichts wäre momentan wichtiger, als genau dies so richtig auszukosten. 

Weil genau dies so ist, teile ich es heute mit euch, vielleicht – um euch Mut zu machen, ähnliche Schritte zu gehen oder zumindest: sich solche zu überlegen und immer wieder in euren Alltag einzubinden. Was mit der bekannten “Heimatnomadin-aktivität” auf Instagram passiert, ich weiß es noch nicht – und muss es, vielleicht, jetzt auch noch nicht wissen. Es reicht, auch hier zu sein, zu teilen, was ich auch weiterhin noch tue, dort draußen, es reicht, die Menschen, die es wirklich wollen, mitzunehmen und hoffentlich zu inspirieren.

 

Zu inspirieren, dass es reicht, auch einfach jetzt & einfach mal –  voll & ganz zu sein. 

 

 

Ein besonderer Tag liegt in diesem Post bei der wundervollen Niki vom Studio Soulwald, die mit so viel Herzblut, Gefühl & Schwarzwaldliebe einige dieser tiefgehenden Aufnahmen gemacht hat. Ich danke Dir von Herzen für diese einzigartigen Soulmomente, liebe Niki & kann Euch allen ihre Arbeit & ihre Soulmission hier einfach nur ans Herz legen! Niki ist einer dieser Kontakte, die Instagram ermöglicht hat & für mich somit auch der Beweis, welch positiven Kräfte wir aus diesem Netzwerk eben auch ziehen können. Ein Fakt, den ich nicht missen möchte – und für den ich hoffentlich eine Lösung finden werde. Bis dahin – stay tuned. Und wir sehen uns – draußen. ♥

Vom Losziehen wie am ersten Tag - auf BikepackingMeniskusrehab-Tour.
Vom Suchen & dem Finden.

Ein Kommentar bei „…& dann, noch mehr Tiefe.“

  1. Aber würde es da nicht viel mehr Sinn machen, auf FB zu verzichten? Auf Instagram wird man vielleicht abgelenkt, bei FB muss man sich zusätzlich ständig aufregen, weil diese Plattform halt von vielen für allerlei Dinge benutzt wird, die Aggressionen auslösen sollen.

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