The trust in more of the less – paths along the way.

 

Wir sehen so viel –

& spüren so wenig.

 

Wir sind vernetzter als je zuvor – & sind es am Ende des Tages irgendwie doch nicht.

Nie war es so leicht, mit seinen Mitmenschen so schnell & jederzeit in Kontakt zu treten, nie war es so unkompliziert und effektiv, sich „mal eben schnell zu sehen“ und sich bspw. auf einen Kaffee oder eine Yogasession via Zoom zu treffen.

Und nie waren wir dennoch so weit voneinander entfernt, nie war dennoch so wenig Nähe da – nie haben sich viele unter uns trotz aller Vernetzungen so allein gefühlt. Nie war unser Alltag so belastend wie aktuell.

 

Vernetzung draußen – für mich, die schönste Art. 

 

Das vergangene Jahr hat Spuren hinterlassen. Nicht nur wegen Corona. Spuren, die nicht wegzudenken sind und die es anzuhören und anzuschauen gilt. Die sich weder online noch in einem weiteren Instagrampost, noch einem weiteren Bild wegdiskutieren lassen.

Wir gewinnen an Vernetzung – und durch die Effektivität der neuen Prozesse und Arbeitsweisen auch an Zeit. Und was wir mit dieser Zeit nun machen, ist ein entscheidender Punkt. Der Angst machen kann – und es bei vielen auch wird. Es liegt auf der Hand, dass wir am Ende des Tages alle dieselbe Anzahl von Lebensstunden & -minuten zur Verfügung haben und dass wir alle frei sind, diese so zu gestalten, wie wir es uns wünschen. Treffen wir unsere Entscheidungen im Leben aus dem Herzen heraus und sind uns ihrer Konsequenzen bewusst, dann werden wir auch an Freiheit darüber gewinnen, statt das Gefühl zu haben, dass die Zeit uns einfach nur noch davon läuft.

 

Was ist Zeit – wertvolle, wahre, bewusste Lebenszeit?

 

Oft in letzter Zeit mache ich mir Gedanken darüber, ob das Leben, das ich mir aufgebaut habe, genau das ist, was mich wirklich glücklich und zufrieden macht. Ob das Ziel, so unabhängig zu sein, mit allen damit verbundenen Konsequenzen, für mich immer noch erstrebenswert ist. Ob ich immer noch in meiner Wahlheimat, dem Schwarzwald, glücklich bin.

 

Ob es mir gerade an etwas mangelt – oder eben nicht.

 

Es sind Fragen, für die endlich wieder mehr Raum & Zeit da ist. Fragen, die wir uns oftmals vielleicht nur während des Jahreswechsel und während der Hoffnung auf ein neues, besseres Jahr stellen, um verändernde Prozesse in Gang zu bringen.

 

Fragen, die weh tun können und deren Antworten nicht immer wirklich bequem sind.

 

Jede Entscheidung auf meinem bisherigen Weg hatte einen Preis – nicht nur einen Gewinn. Mit jeder Entscheidung musste ich etwas gehen lassen, musste eine Tür schließen und oftmals einfach nur darauf vertrauen, dass sich auch wieder eine neue öffnen wird. In diesem Zwischenraum, zwischen zwei kurzzeitig verschlossenen Türen, kann es dann eng werden & wurde es oftmals auch. Es kann so eng werden, dass es einem den Atem nimmt, dass man gefühlt noch mehr stillsteht als vorher, man schier nur noch gehemmt zu sein scheint. Diese Vorstellung eines engen und zuglich so leeren Raums, einer Zeitspanne ohne Halt & Boden – sie kann Angst machen.

Und zeitgleich ist sie so sehr befreiend. Nichts lehrt uns mehr, als unsere eigenen Erfahrungen zu machen und nichts kann uns mehr bereichern als die Tatsache, dass wir es wirklich schaffen, durch unsere Ängste hindurch zu gehen.

Wir lassen nicht gern los, doch wenn wir es tun und im folgenden dann beide Hände, den Kopf & unseren Geist frei haben, können wir noch viel mehr das werden, was wir wirklich sind.

 

Loslassen – & Losziehen – für das, was uns wirklich, im tiefsten Herzen, berührt und vorantreibt.

 

Ich mache mir also Gedanken darüber, wie erfüllt ich gerade wirklich bin. Ein Luxusgedanke, denn ich weiß, wie viel wert es ist, in einer Zeit wie dieser überhaupt erst einen solchen Gedanken zulassen zu können – und dennoch: ich glaube daran, dass sich jeder aktuell diese Frage stellen sollte. Wenn plötzlich mehr Raum zum Sein da ist, wenn plötzlich alle Ablenkungen unserer Sinne wegfallen, wenn vieles einfach nur noch ist wie es ist – wie sehr halten wir dann unser wahres Sein wirklich aus?

 

Als ich mich entschieden habe, in den Schwarzwald zu ziehen, war es eine Entscheidung, die genau auf diesem Gedanken aufbaute. Ich wollte in einer Umgebung und einer Landschaft wohnen, die für mich einen puren Kraftort darstellte – ich wollte jeden Tag ein Umfeld haben, in dem ich die Möglichkeit hatte, aufzutanken, egal, was um mich herum los war & egal, wie schwierig manche Zeiten sein mögen. Ich wollte, dass ich mich genährt fühlte, statt ausgezehrt.

 

Schwarzwaldwahlheimatliebe.

 

Diese Heimat & jene Kraftorte sichern mir jetzt, in dieser Zeit, meinen freien Kopf. Morgens früh mit dem Sonnenaufgang auf den Bergen zu sein, bedeutet zwar, sich in aller Frühe aus dem Bett zu schälen und sich schlaftrunken aufs Rad oder die Ski zu schwingen und auch, abends noch länger zu arbeiten – es gibt mir jedoch auch alle Kraft zurück, die ich in dieser Zeit so sehr nötig habe. Es sind diese Momente, in denen ich vergesse, dass wieder zurück ein Alltag auf mich wartet, den ich so eigentlich nicht mehr haben möchte.

Sprich, ein Alltag, von dem ich jeden Tag aufs Neue weiß, was folgen & passieren wird. Es ist manchmal ermüdend, und derzeit schlicht nicht – von heute auf morgen – änderbar.  Ich weiß, was mir fehlt, um diesen Fakt zu ändern & ich weiß auch, dass ich hier mein Versprechen an mich einlösen kann – in naher Zukunft.

Und dennoch ist es manchmal schwierig, es auszuhalten. Dasselbe, jeden Tag. Den Laptop sehen, niemals richtig abschalten zu können, niemals wirklich unvernetzt, ohne Boden, absolut im Unbekannten zu sein. Langsam merke auch ich die Monate, in denen ich nicht Bikepacken gehen konnte – in denen ich nicht meine liebste Strategie zum Loslassen & Einfach Sein umsetzen konnte. Langsam merke auch ich, dass ich müde bin. Dass es auch mir reicht, allen kurzen Abenteuern und kleinen Alltagsfluchten zum Trotz.

 

Kraftroutinen. 

 

Und dennoch: es ist Okay, dass es so ist. Der Raum, der jetzt entsteht, ist ein Raum, den es so in dieser Form noch nie gegeben hat & es ist wichtig, sich auf diesen auch wirklich einzulassen. Nichts wird mehr so sein wie es war – und auch dies loszulassen, lässt uns aus diesem Gefühl von diesem „Warten auf.. (die besseren Zeiten)“ herauskommen. Dieses Gefühl davon, vermeintlich nichts tun zu können, das schlicht nicht wahr ist. Denn wir können viel tun – nur müssen wir es jetzt einfach anders tun.

 

Entscheidungen aus dem Herzen heraus benötigen Zeit. Und gerade jetzt, bekommen wir diese. Mehr als je zuvor.

 

Jede Sekunde, die ich im Außen verbringe, ist eine weitere Sekunde, in der ich mich weiter weg von mir & meinen wahren Träumen entferne. Jede Sekunde, in der mein Blick nur auf einen Bildschirm und das gerichtet ist, was andere Menschen den ganzen Tag lang tun, ist eine Sekunde mehr von meinem Leben, die ich gerade abgebe und nicht mehr voll & ganz bei mir lebe. Jede Sekunde, in der ich mehr darauf gebe, was andere Menschen denken mögen, ist eine Sekunde, in der ich mir die Chance verwehre, meine eigene Erfahrung zu machen und mich ein Stückchen besser kennenzulernen.

 

Jede Sekunde, die wir nicht aus vollstem Herzen leben – ist eine Sekunde, die niemals mehr zurückkommen wird.

 

Jede Sekunde von dieser Zeit, die wir gerade gewinnen. Ist wertvoll. Ist kein Stillstand per se, auch wenn sie sich so anfühlen mag. Jede Sekunde ist eine Chance. Wieder mehr hinzuhören. Wieder mehr zu Sein. Wieder mehr auf das zu lauschen, was unser Herz uns schon so lange sagen will.

 

Wir dürfen zur Ruhe kommen – & es ist richtig so.

Denn dann sagt das Herz uns  w a s  & unser Verstand nur noch das  w i e.  

 

About time & plans & in between.
The trust in more of the less - von einem Mehr vom Weniger.

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