More of the less – was bleibt & jetzt noch kommt.

 

Etwas ist anders.

Ich weiß noch nicht was –

jedoch ist es eben anders. 

 

Ob es jetzt, nach knapp mehr als einem halben Jahr an „More of the less“ und einem mehr ins Blaue leben, Zeit für ein kurzes Review, ein Fazit, einen Status Quo ist? 

 

– Vielleicht.

 

Jetzt, hier im August, ist vieles anders, als ich vielleicht zu Beginn des Jahres noch gedacht hätte – wenn ich mir denn eine Vorstellung zu dem gemacht hätte, was mich im Laufe des Jahres so erwarten wird. Es gab zu Beginn von 2021 ja nur ein paar Ziele, die ich erreichen wollte. 

 

Time to rest & heal – Ende Juni, zu Beginn einer neuen langen Reha-Reise.

 

Worum es ging.

Zum einen ging es um die Fertigstellung meiner Doktorarbeit sowie auch um den Abschluss meiner Ausbildung zur Yogalehrerin. Und um Freiheit. Mehr Freiheit, um das zu leben, was mich wirklich glücklich macht. Habe ich das erreicht? Ich glaube – ja. Im Juni diesen Jahres konnte ich nicht nur erfolgreich meine Dissertation verteidigen und sie nun endlich in den Druck geben, um mich dann – unglaublich, aber wahr – Dr. med. vet. nennen zu dürfen, sondern konnte auch meinen letzten Baustein für die erträumte Selbstständigkeit erreichen: die Yogalehrausbildung und deren Abschluss. Wenn ich mir nun seit Jahren etwas für die Zeit n a c h der Promotion ersehnt habe, dann war es eines:  

F R E I H E I T. 

 

Die Reise dorthin – ein langer Weg. 

Die Promotion hat mich genauso viel Zeit gekostet, wie mein Studium der Tiermedizin ebenfalls beansprucht hat: nämlich 5,5 Jahre. Gemeinsam sind dies nun 11 Jahre, in denen ich das ungebunden sein vor mir herschiebe und aus Konsequenzen meiner damaligen Entscheidungen lernen durfte. 

Auch wenn ich diese Zeit zwischendurch oft genug verflucht habe – jetzt, im Nachhinein, bin ich froh, es gepackt zu haben. Nicht aufgegeben zu haben, allen Zweifeln und allen Sorgen darin zum Trotz.

Ich durfte in dieser Zeit lernen, meine Freiheit in mir zu finden – abseits und eben nicht durch bspw. monatelangen Reisen, Work & Travels, Auszeiten während des Studiums oder zwischen meinen verschiedenen Anstellungen. Es gab wenig Urlaub, kaum Pausen, kein richtiges Aufatmen. Und dennoch: war ich viel & oft unterwegs, in den letzten beiden Jahren ohnehin mehr als je zuvor. Mein letzter richtiger Urlaub, in dem ich bikepackend Frankreich von Freiburg aus durchquerte ist jetzt genau ein Jahr her. Unglaublich, aber wahr, wenn ich mir anschaue, was ich dennoch oder gerade wegen meiner Einstellung zu Leben & zum Arbeiten alles erlebt habe. 

 

 

Frei sein – jeden. einzelnen. Tag. Frei sein.

 

Denn mein Alltag ist mein Leben – jeden Tag. 

Es ist das, was mir nun zugute kommt: Mein Alltag, der mir so schnell nicht mehr langweilig wird. Der mich fordert, aber im besten Falle eben auch nicht mehr überfordert. Ich möchte ihn nach wie vor bunt halten, bunt leben, möchte mich weiter entwickeln können – jeden Tag. Und nicht auf Urlaube warten, die ja doch im Jahr viel zu rar gesät sind. 

 

Wo ich gerade stehe. 

Jetzt, wo ich vermeintlich endlich frei sein kann – bin ich dennoch gebunden. Diesmal: an Krücken. Und nach wie vor auch – einem nicht vorhandenen finanziellen Polster & Backup. Auch wenn mir das Stillhalten gerade nicht leicht fällt und die Tage manchmal arg lang sind – ist eben dennoch etwas: anders. Die letzte Zeit war kräftezehrend. Eine schwere Zeit für meine Familie & mich, in der wir einen geliebten Menschen verloren haben. 

Diese Zeit, sie hat wieder demütig gemacht. Daran erinnert, wie kostbar unser Leben ist. Wie nichtig ein paar Stunden, Tage, Monate sind, in denen es scheinbar mal nicht so rund läuft, wie wir es eben gewohnt sind. 

Diese Zeit, sie hat mir in mancher Hinsicht die Augen geöffnet und den Mut geschenkt, in manchen Angelegenheiten, auch meinen Struggles mit der Essstörung und dem Monkeymind sowie vergangenen Verlusten aus dem letzten Jahr, nochmals genauer hinzuschauen. Es gab Dinge, die ich von mir geschoben hatte – die jedoch angeschaut werden wollten. Und jetzt, in dieser Zeit, wo es für mich nicht viel mehr zu tun gab, als zu heilen und für meine Familie da zu sein, gab es endlich den Raum dazu.

 

 

…neuer Raum – in Slow-Mow. Mehr als je zuvor. 

 

Und in diesem Raum, veränderte sich etwas. Nach und nach. Und auch wenn ich noch nicht weiß, was ich damit anfangen werde, ist es dennoch etwas, das ich nicht mehr loslassen kann und werde. 

 

Erfahrungen aus vergangenen Injurys & Recoverys.

In meiner letzten langen Phase bestehend aus den Knochenfrakturen ist mein Buch entstanden. Es war für mich ein heilsamer Prozess, es zu schreiben und auch für eine schnelle Veröffentlichung selbst zu sorgen. Als ich operiert wurde und so viel Zeit hatte, war der erste Impuls, gleich das nächste Buch zu schreiben.

Fakt ist: ich habe k e i n e einzelne Zeile geschrieben. Ich war kaum kreativ unterwegs – oft war ich mehr wie lethargisch. Habe einfach nichts gemacht. Weil ich nichts machen konnte. Ich überfordert war. Ich meinem Druck nicht standhalten konnte – bzw. vielmehr: nicht mehr w o l l t e. Ich realisierte, dass jetzt, nach all den Jahren der Disziplin und des Durchhaltens, eine andere Zeit angebrochen war. Eine, in der es leicht werden darf. Leichter. In der ich keinen festen Dreh- & Angelpunkt mehr brauche, zumindest jetzt nicht, in dieser Sekunde.

Plötzlich dürfen sich die Dinge neu finden – vielleicht auch ich mich ein Stück neu finden. In einer Welt, die gerade für mich, ein wenig mehr still steht. Mehr, als jemals zuvor. 

 

Ist es nicht das, was ich zu Beginn des Jahres wollte? More of the less?

 

Ja – genau das ist es. Immer noch. Die schwarzen Löcher kamen. Und sie gingen. Und es ist – mehr als Okay so.

 

Vertrauen finden – im Draussensein.

 

Ich habe in diesem Jahr mehr als einmal intuitiv vertraut – intuitiv Rad gefahren. Das Maximum aus meiner freien Zeit herausgeholt, die mir zur Verfügung stand. War so viel unterwegs wie möglich, habe in der Hängematte gefroren & gezittert, habe in klirrender Kälte glücklich meinen ersten Tee genossen. Habe die Schneestürme auf den Schwarzwaldhöhen überradelt, ein paar Orbits angegangen. Bin meinem Herzen gefolgt, wann immer ich konnte.

Und scheine langsam, endlich, eine Leere von mir abstreifen zu können, die mich jetzt lange genug erfüllt und begleitet hat. Eine Leere, die nicht greifbar war und vielleicht nicht mehr greifbar sein wird. Denn es ist jetzt anders. Irgendwie. Und wieder mal anders, in diesem Mehr – vom Weniger. 

 

Vertrauen finden um weiterzumachen.

Manchmal ist es nicht an der Zeit, immer wieder mit Vollgas zu dem zurück zu kommen, wo man mal war. In dieser Zeit, jetzt, wo ich an den nächsten Schritt meiner Rehabilitation gehen darf (die Krücken dürfen weg & ich darf langsam wieder mit dem Radfahren beginnen), lese ich das Buch „Out and Back“, von Hillary Allen – einer Ultrasportlerin, die sich nach einem lebensgefährlichen Sturz in den norwegischen Bergen ins Leben und den Sport zurück gekämpft hat. Sie schreibt davon, dass es der Glaube, das Vertrauen ist, die uns zurückbringen, die uns kämpfen lassen. Die uns jeden Tag für das was wir sind & haben, einstehen lassen, um auch weiterhin träumen zu können.

Es heißt hier in Kapitel 5:

 

The Power of Belief.

Believe.

Believe your best athlectic days are ahead of you. 

Believe in your power, believe in your strength, don`t stop believing. 

Believe your best athletic days are ahead of you.

 

Ich vergesse diesen Satz nicht mehr – lässt er sich doch auch aufs gesamte Leben übertragen:
Glaube daran, dass der beste Part Deines Lebens Dir noch bevorsteht. Glaube daran, dass es noch besser werden kann – und hier geht es mir nicht um Schneller, höher, weiter! 

 

Loslassen. 

Es geht ums Loslassen, was mal war und daran zu glauben, dass es noch tiefer gehen kann. In der letzten langen Phase meiner Verletzungen musste ich lernen, all das, was ich vorher hatte, meine Fitness, meinen dürren Körper, meine „Stärke“ loszulassen und mein Glück, meinen inneren Frieden, nicht davon abhängig zu machen. Ich lernte erst in dieser Zeit, auch ohne das Radfahren und die maximale Bewegung zufrieden und bei mir sein zu können. Vorher konnte ich dies nur, wenn ich mindestens jeden Tag am Rad war und war rückblickend labil & abhängig davon. 

 

Glaube – an das war was & vor allem: das, was noch kommt. 

 

Weiterentwicklung geschehen lassen. 

Dieser Fakt hat mir einen weiteren Schritt in eine wahre Passion an diesen Sport verhindert. Erst durch die lange Phase der Abstinenz und durch das Loslassen konnte ich danach nochmals freier in den Sport zurückkehren – freier, stärker und als eine noch bessere „Version meiner selbst“. Es dauerte danach nicht lange und ich fand ins Bikepacken, fuhr ziemlich ins Blaue hinein den Eifel Graveller und konnte hier erfahren, wie stark ich tatsächlich war. Vorher – hatte ich mir soviel Off-Road gar nicht zugestanden – zuviel „Sicherheit“ in Bezug auf mentale Muster, Leistungsgedanken und Strukturen verschaffte mir das Rennradfahren noch. 

Verrückt, oder? – ich habe mir damit eine unglaubliche Stärke in mir lange verbaut. Und konnte dies nur entdecken, indem ich ausgeknockt war und mich in einer Leere wiederfand. Ich konnte meine Fitness anders, gesünder, stabiler aufbauen und auf einem viel nachhaltigeren Fundament aufbauen. – Ein Learning, das mich jetzt sehr begleitet und beschäftigt. 

Als ich nach der letzten langen Phase wieder anfing, war die erste Phase trotz aller Erkenntnisse vom Mangel gekennzeichnet, denn ich wollte auch wieder meinen Körper optimieren, verlor Gewicht, fand mich in Restriktionen wieder. Das Bikepacken lehrte mich im Folgenden, es anders zu machen. Ich konnte meine Erkenntnisse also nur langfristig umsetzen, es war kein von jetzt auf gleich, der Schalter wurde also eher sehr langsam, dafür aber nachhaltig umgelegt.

 

Learnings der letzten Rehaphase – es darf leicht sein. Es darf ohne Mangel geschehen.

 

Und jetzt?

Und jetzt? Jetzt bin ich wieder „am Anfang“. Habe wieder dazu gelernt. Habe einen riesigen Koffer neben mir aus Gedanken, Erkenntnissen, Erfahrungen der letzten Wochen, die durch einige einschneidende Erlebnisse, auch außerhalb meiner OP, gesehen werden möchte.

Und jetzt – behalte ich vor allem eines bei: Mir schlicht & immer wieder Zeit zu nehmen. Um einfach Zeit zu haben. Denn das ist, nach Jahren eines Marathons aus Ausbildung, Doktorarbeit, Anstellungen, Weiterbildungen und dem Aufbau meiner geliebten Hobbys doch genau das, worauf ich eigentlich seit Jahren warte. 

Und in dieser Zeit, und im nächsten halben Jahr unter „More of the Less“ wird sich wohl alles wieder finden dürfen. Neu finden, alt entdecken und neu entwickeln können.

 

…also bleibt es,

auch nach wie vor

– einfach eine spannende

& nicht endende –

Reise des Lebens. 

 

…Du möchtest diesen Beitrag auch auf den Ohren haben? – dann finde eine Podcastfolge zum obigen Thema ab sofort auch via meinem Trust – your path of Life – Podcast! 🙂 

 

Vom Suchen & dem Finden.
Mindful bodies & whole hearts - the beginning.

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