Lebenswege – Das Leben ist eine Reise.

Endlich, ich habe es geschafft. Ich habe mich von dem getrennt, von dem ich schon seit viel zu langer Zeit wusste das es eine Komponente in meinem Leben ist die nicht mehr zu mir passt, die mich einengt und die mir nicht gut tut – mehr noch auf Dauer schadet und schon geschadet hat.

Es kann viele Bereiche im Leben geben von denen man weiß dass sie nicht zu einem passen und die man eigentlich als Ballast empfindet. Oft hält man dennoch an ihnen fest, sei es aus Gewohnheit, den aktuellen Lebensumständen oder vor allem aus Angst was passieren könnte wenn man sich von ihnen löst.

Gerade existentielle Bereiche wie der Arbeitsplatz, der Wohnort und auch der Freundeskreis sind da nicht gerade einfach zu ändern oder gar wegzuradieren, selbst wenn man weiß dass man dort nicht mehr ganz hineinpasst.

Schon lange brodelte in mir das Gefühl, an meinem Arbeitsplatz nicht mehr „richtig“ zu sein. Ich habe meine Sache gut gemacht, gewissenhaft, habe mich in vielen Notdiensten aufgerieben und geschuftet, habe viel gelernt und auch gute Zeiten gehabt.

Und dennoch: Ich war nicht ganz ich und das Gefühl, nicht mit Menschen zusammen zu arbeiten die mit mir auf einer „Wellenlänge“ sind, die nicht dieselben Prinzipien und Lebenseinstellungen teilen ermüdete mich langfristig immer mehr.

Natürlich spielt man auch in seinem Beruf immer eine gewisse „Rolle“, was auch sinnvoll ist und einen gewissen Abstand zu Kunden und Umfeld schafft und die Arbeit daran hindert sich zu sehr ins Privatleben zu drängen (was generell bei meinem Beruf schon schwer fällt, wenn man die Hälfte des Jahres seine Freizeit mit dem Notdiensttelefon verbringt).

Doch trotzdem habe ich in mir schon immer eine Sehnsucht gehabt, auch eine gewisse „Selbsterfüllung“ im Beruf zu finden.

Während manche zufrieden damit sind, den 9 to 17 o´clock Arbeitstag leben zu können und nur um Geld zu verdienen arbeiten, fühle ich mich mit dieser Vorstellung wie verkümmert.

Kurzum: Mir war klar, dass ich mich derzeit in der aktuellen Arbeitsstelle weder weiterentwickeln konnte noch die Chance darauf hatte rauszufinden was mich am meisten begeistert und was ich mit ehrlichem Herzblut machen möchte.

Diese Sehnsucht nach neuer Inspiration hat mich (unter anderem) dazu veranlasst, aus der alten Stelle auszubrechen und mir etwas Neues zu suchen.

Der Gedanke war schon lange da und ich habe vieles im Kopf gehabt: Arbeiten in den Bergen, ab in die Schweiz. Ab nach Rügen, ab ans Meer. Stellenangebote im Ausland recherchiert und und und. Doch immer wieder kam mir ein Gefühl quer dass mir gesagt hat dass dieser Weg nicht ganz der richtige sein kann. Immer wieder sperrte sich in mir irgendetwas.

War es die Angst sich an eine neue Stelle fest zu binden? Heimweh? Doch der Hang im festgefahrenen, altbekannten Leben zu bleiben?

Ich war mir lange nicht sicher, denke aber mittlerweile dass es ein Mix aus Unwillen an Bindung und auch einer Portion Heimweh war.

 

Ausblicke wie dieser: lange ein Seelenheil für eine innere Leere.

 

Als ich mit dem Studium fertig war wollte ich nur eins: Frei sein und reisen. Mich nicht binden müssen. Nach fast 6 Jahren knallhartem Studium und Lernen, verbunden mit Nebenjobs und anderen Verpflichtungen wollte ich endlich wirklich frei sein.

Doch dann kam es irgendwie anders und ich bin doch in einem festen Job gelandet, der sich von erst veranschlagten drei Monaten mittlerweile gute 2,5 Jahre hingezogen hat. Zugleich habe ich mir das Projekt „Doktorarbeit“ ans Bein gebunden und der Batzen an Bafög der erstattet werden muss muss auch irgendwie verdient werden.

Also nichts mit wirklicher Freiheit und mein Leben lief nicht wirklich in der Bahn in der ich es mir erträumt hatte. Auf einmal war ich drin in diesem Hamsterrad, verbunden mit all seinen Verpflichtungen, Kosten und Aufwendungen.

Und im Nachhinein weiß ich: Es war keine gute Idee, meinen inneren Trieb nach Freiheit und Ungebundenheit zu „verschieben“ und zu ignorieren. Das Leben wartet nicht auf dich.

Kompensiert habe ich diese Sehnsucht immer wieder mit langen und teils extremen Radtouren, Alpenüberquerungen, dem Kauf des Bullis, dem Konsum von neuen Rädern, weiterer Outdoorausrüstung und so weiter.

 

 

Doch nichts von alledem hat mich langfristig innerlich „ruhig“ gestellt. Hat diese Sehnsucht wirklich befriedigt und zugelassen dass ich mich wieder auf neue Ideen wirklich einlassen konnte. Diese Einsicht kam relativ spät bzw. ich habe ihr lange kein Gehör gegeben – aber sie ist eine Lehre und prägt mein weiteres Handeln zutiefst.

Ich akzeptiere, dass ich mich nun – entgegen aller Freiheitstriebe – an den Schreibtisch hocken und die Zähne zusammenbeißen muss um endlich die Doktorarbeit fertig zu bekommen, die mir zwischenzeitlich so sinnlos vorkommt da sie nicht meinem wirklichen Lebensziel entspricht und mir die Freiheit raubt die Dinge zu tun die mich wirklich glücklich machen.

Es wäre leichter gewesen, für diese Zeit in der alten Stelle zu verharren, mein Leben so zu lassen wie es ist und den Trott erstmal weiter zu leben.

Doch da ich gelernt habe dass das Leben jetzt statt findet und mein Leben für mich derzeit nicht akzeptabel ist und sich nicht mehr „lebenswert“ anfühlt, habe ich den Schritt gewagt und bin diesem Bauchgefühl gefolgt – auch wenn es einen Mehraufwand und eine gewisse Anstrengung  bedeutet nun alles parallel hinzubekommen.

Es geht also wieder Richtung Heimat. In eine neue Stelle in der ich zum Einen erstmal weniger arbeiten kann um mehr Zeit für die Doktorarbeit zu haben und zum Anderen zurück in mein altes Umfeld – nah an die Familie, an meine Freunde, zu den Pferden und zu dieser herrlichen Heimatlandschaft, die ich tief im Herzen trage.

Zudem habe ich es geschafft eine Stelle zu finden, die mir eine flexible Arbeitsaufteilung und die Möglichkeit zum Mehr-Reisen ermöglicht – eine Tatsache die in meinem Beruf nicht leicht zu finden ist. Solange bis ich auch den Batzen Bafög erledigt habe und endlich meinen weiteren, freieren Weg gehen kann.

Ich bin entgegen aller Fernwehsehnsüchte dem entscheidenden Bauchgefühl gefolgt und habe mich vorerst für die Heimat entschieden – es fühlte sich so an als müssten erst dort alle Akkus wieder aufgeladen werden um die Kraft und Inspiration zu finden für neue Ideen, neue Horizonte und die Lust darauf wieder loszuziehen wieder zu entdecken.

 

 

Es ist nun eine Zeit in der ich mir den Raum nehme um mich genau damit auseinander zu setzen was ich wirklich will im Leben, worauf es mir ankommt und wie ich mein Leben gestalten möchte.

„Das Leben ist eine Reise“.

Jedesmal, wenn ich plötzlich Panik vor meinem getanen Schritt bekomme mit banalen Sorgen wie „Was machst du nur ohne den bekannten Alltag, wir er dir fehlen? Du wirst nicht mehr wie gewohnt Straße XY radeln können, abends keine Sirnitz mehr hoch, im Winter nicht abends noch ins Fitnessstudio, wirst Ausblick XY nicht mehr sehen, hast nicht mehr die Dinge XYZ wie du sie kennst“ – sage ich mir:

Egal. Es ist egal. Denn letztenendes wäre es schade wenn diese Dinge die einzigen wären die mein Leben bereichern.

Mein Leben soll bunt sein, vielfältig und immer wieder neu. Ich möchte Inspirationen sammeln –

durch neue Umgebungen, Tätigkeiten, Menschen.

 

 

Und nicht mehr in alten Mustern und Handlungen festhängen. Nur so kann ich das Gefühl entwickeln mein Leben selbst zu gestalten und es nicht in die Hände anderer zu geben.Und ich versuche gespannt darauf zu sein, was mich erwartet. Was werde ich lernen? Im Beruf, im neuen Alltag und vor allem was werde ich über mich lernen?

Von welchen Dingen kann ich mich lösen, welche brauche ich wirklich im Leben?

Finde ich wirklich Erfüllung darin, jeden Feierabend beim Sport zu verbringen? Vielleicht sehnt sich mein Kopf ja längst schon nach neuen, kreativen Tätigkeiten und Erfüllungen, die bisher aber nie Raum und Gehör gefunden haben.

Vielleicht kann ich auch zulassen, dass sich auch der Wunsch nach einer anderen beruflichen Tätigkeit breitmacht in der ich noch mehr Erfüllung finde.

Es ist also eine Zeit des Umbruchs und vor allem beim Ausräumen der Wohnung wird mir wieder bewusst, wie wenig man im Leben braucht. Mit jedem Aussortieren und dem Lösen von altem Ballast wird das Leben ein Stückchen leichter.

Das Gefühl, dass mein ganzes Leben eigentlich sehr gut in einen Rucksack oder höchstens noch in den Bulli passt gibt mit innerlich Raum und Freiheit.

 

Es braucht nicht viel zum Leben leben solange der innere Raum frei und groß genug ist.

Die Besinnung darauf, wie wenig man im Leben wirklich braucht und dass äußere Umstände und alltägliche Gewohnheiten auf die innere Zufriedenheit eigentlich keinen tiefgreifenden Einfluss haben ist ein beruhigendes Gefühl.

Nach einer langen Zeit des Haderns, des Zweifelns und der Krise macht sich also langsam wieder ein Gefühl breit dass ich schon lange vermisst habe: Neugier und Freude auf Neues, eine fast schon kindliche Vorfreude auf die Zukunft, aufs Pläne schmieden und auf das Entdecken von neuen Lebensbereichen.

 

Wieder nach vorne schauen. 

Und das gute Gefühl, dass ich nur kurzzeitig von meinem inneren Lebensweg abgekommen bin und nichts und niemand mir diesen wirklich nehmen kann. Weder der Schreibtisch auf dem die Doktorarbeit auf mich wartet noch die Menschen in meiner Umgebung die ein anderes Leben für richtig halten.

Denn das Leben ist bunt und es wäre schade nicht alles davon mitzunehmen.

Darum leb es jetzt, nicht morgen.

 

 

Vom Hunger nach Freiheit.
Styrkeproeven, Trondheim - Oslo 2017.

10 Replies to “Lebenswege – Das Leben ist eine Reise.”

  1. Hallo Leona
    Ehrlich geschrieben , so Etwas gefällt mir !
    Es freut mich , dass du bald wieder in meiner näheren Umgebung leben willst , vielleicht laufen wir uns mal übern Weg , machs gut und bis bald mal .
    Aus der schönen oberen Weide grüßt Wilma

    1. Hallo Wilma,
      Vielen lieben Dank – freut mich dass dir der Beitrag gefällt und ja, ich freue mich auch mal wieder mehr in der Heimat sein zu können, Wittgenstein bekommt man so leicht nicht aus dem Herzen raus 😉
      Bis ganz bestimmt bald mal in der Weide, liebe Grüße! Leona

  2. Toll geschrieben, Nono !!!
    Ich freu mich auf Dich.
    Stay tuned for more happy days!
    Ina

    1. Duuuu Liebe – und wie ich mich erst auf euch freue! 🙂
      Stay tuned everyday 🙂

  3. Sehr schön geschrieben. Ich kann das alles sehr gut nachvollziehen.
    Liebe Grüße
    Andreas

    1. Vielen lieben Dank! 🙂

  4. Liebe Leona,
    es ist so schön, Dir zu folgen…hier ist ein Buchtipp, der für Dich gerade glaube ich gut passt, und Deinen spirituellen Weg unterstützt: Jack Kornfield – Das Leben fordert uns heraus.
    Alles Liebe
    Jutta 🙂

    1. Liebe Jutta,
      Und es ist schön zu wissen dass du mir folgst 🙂 Vielen Dank für den Buchtip, da werde ich später doch erstmal nach schauen 🙂 Ich drück dich!

  5. Schöne Geschichte, Leona… Erinnert mich an die Reise des Alchemisten 😉
    Folge dem, was sich gut anfühlt. Und wie Du es auch jetzt wieder gemacht hast – „if you don’t like it – change it“. Wenige Dinge sind für die Ewigkeit, alles andere lässt sich immer ändern.
    Keep on rocking & in meinen Worten #dowhatmakegood 😉
    Bin gespannt, wie es weiter geht… LG, Flo

    1. Lieber Flo, Vielen Dank für dieses schöne Kommentar! 🙂 #dowhatmakegood ist ein gutes Motto – das Leben ist zu kurz um es anders zu handhaben 😉 Gespannt wie es weitergeht, das bin ich auch. Das Leben einfach passieren lassen derzeit und wer weiß, vielleicht schaffe ich den Traum vom PCT nächstes Jahr ja wirklich noch.. wenn ich ihn hier am Schreibtisch schon immer im Geiste wander.. Ich werde berichten 😉 Liebe Grüße! Leona

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