Entschleunigung – La Gomera.

Wie lange ich auf diesen Urlaub hingefiebert habe und wie dankbar ich für diese Woche der puren Entschleunigung bin kann ich kaum in Worte fassen.

Ich erinnere mich noch zu gut an den November letzten Jahres, in dem ich gebeutelt vom Jahr 2016, all den misslungenen Plänen, einer kaputten Beziehung, der Belastung auf der Arbeit und letztenendes eines längeren Krankenhausaufenthalts aufgrund einer autoimmunbedingten Nervenentzündung endlich auf den Rat meiner Mutter hörte und mich am Yoga versuchte – in der Hoffnung einen Weg zu finden um meinem Leben wieder einen Halt zu geben und zurück zu mir zu finden.
Denn ich hatte schon lange permanent das Gefühl rastlos zu sein, auf negative Art und Weise, so als würde ich immer wieder den Boden unter den Füßen verlieren.

Weder mein Körper noch mein Geist schienen zur Ruhe zu kommen, auch nach 100, 200, 300 km Radeln nicht, nicht nach einer 10 Stunden Wanderung auf einsame Berghütten und auch nicht nach einem langen Arbeitstag inklusive nächtlichen Einsätzen.

Es war klar, dass ich einen Gegenpol zu all dem andauernden Vorwärtsdrang und der Zerstreutheit dringend nötig hatte, etwas das mich runter bringt, mich zu mir selber zurück leitet und mir Halt gibt, auch wenn alles andere schier zu zerbrechen droht.

So kam ich also ans Yoga – und ich bin unglaublich dankbar und fasziniert von dem was ich daraus schöpfen kann und was es mir gibt. Es war mir wichtig Yoga mit all seiner Philosophie zu lernen und nicht als das zu verstehen, was uns heute meistens in Fitnessstudios etc. vermittelt wird: Yoga = Fitness = Leistung. – Genau diesen Gedanken wollte ich in meinem Kopf nicht nähren. Ich wollte lernen gut mit mir zu sein.

Glücklicherweise habe ich auch auf Anhieb die absolute Traumyogaschule und – Lehrerin gefunden

(siehe hier: http://www.yoga-muellheim.com – Jutta Renner).

Nachdem ich die erste und zweite Einzelstunde schon zu Beginn heulend all meine inneren Belastungen freilassen konnte und Jutta und ich schnell viele Gemeinsamkeiten feststellten (allen voran Bewegungsfreude und Naturverbundenheit) wurden die Yogastunden und auch das tägliche Üben ein absolut fester Halt in meinem Leben.
Ich bin mir unschlüssig ob ich ohne diese Entwicklung heute dort wäre wo ich jetzt bin, ob ich all die Entscheidungen getroffen und Gedankengänge eingeschlagen hätte. Ich befürchte, das nicht. Dass ich weiter in der äußerlichen Hetze meine innere Stimme unterdrückt hätte.

Yoga bringt mich zur Ruhe, holt mich zu mir selbst zurück,  verbindet mich wieder mit mir und meiner Natur.

Nie hätte ich gedacht dass so etwas „Statisches“ mir so gut tun kann – umso schöner zu erfahren dass es so ist.

Und genau in dieser Zeit meldete ich mich als auch zum Yogaretreat auf La Gomera an, das von Jutta angeboten wird. Erst war ich lange unschlüssig – war das etwas für mich? Wo ich sonst immer alleine unterwegs bin, jeden Tag etwas Neues sehe und so frei wie möglich bin, morgens nicht weiß wo der Abend endet.
Und nun mit einem festen Plan, Tag für Tag jeweils morgens und abends Yoga, mit einer festen Gruppe, an einem festen Ort?
Irgendetwas sagte aber in mir dass genau das das Richtige wäre – eventuell die Sehnsucht nach Entschleunigung, nach einem Stop des permanenten Weiterwollens.

Und so kam ich also im April zum Yogaretreat nach El Cabrito. Ein Segen!

Hauptgebäude mit Seminarräumen und Esssaal.

Ankunft mit der Fähre in San Sebastian.

Hinter El Cabrito („das kleine Zicklein“) verbirgt sich eine Finca die als ehemalige Bananenplantage in einem stillen Barranco im südlichen Westen der Insel La Gomera liegt und nur mit dem Privatboot der Betreiber zu erreichen ist. Hier gibt es keine Straße, kein Auto, kein Lärm, kein Nichts. Dafür: Meer, Berge, Ruhe, Palmen und herrliche Obstplantagen. All das gepaart mit einer faszinierenden Tierwelt und herrlichstem Essen.
Es war ein einziges zur Ruhe kommen.

El Cabrito 🙂

Sonnenaufgang mit Blick zum Teide auf der Nachbarinsel Teneriffa

Der Tag startete jeden Morgen um halb acht mit einer Gehmeditation am Strand. Achtsames, langsames und nachfühlendes Barfußgehen im Sand – gar nicht so leicht sich nur auf seine Fußsohlen zu konzentrieren wenn der Kopf noch so voll ist von all den alltäglichen Dingen zu Hause.
Danach folgten Atemübungen und das Üben der Asanas, also der Körperhaltungen, die den Körper letztenendes auf die Meditation vorbereiten sollen.

Jeden Tag fiel es mir leichter wirklich abzuschalten und mich ganz darauf einzulassen – mir war schnell klar dass sich dieser Urlaub wirklich gelohnt hat.
Nach zwei Stunden Yogapraxis ging es ans Frühstück. Ein herrliches Buffet aus plantageneigenem Obst, Gemüse, selbst hergestelltem Ziegenkäse und – joghurt, Müsli, Nüssen, Baguette und Brot, Tee, Kaffee und so weiter ließ wirklich keine Wünsche offen.
Froh war ich um das morgendliche Frühstück-im-Schweigen-Ritual. Bewusst essen, in Ruhe, nur für sich sein. Sich ganz auf das Allgegenwärtige konzentrieren.

Nach dem Frühstück hatte man bis abends Zeit die Gegend zu erkunden – für mich hieß das: raus und rauf in die Berge. Jeden Tag ging es also mit leichtem Gepäck los – erkundet wurden alte, zerfallene Bergdörfer, die Stauseen der Finca hoch oben im Barranco, einsame Buchten und tiefe, einschneidende Täler.
La Gomera ist karg – aber wunderschön. Die zerklüftete, felsige Landschaft und die technisch teils schwierigen und immer auf und ab führenden Wanderwege nehmen einen sofort gefangen.
Ich kam endlich in die absolute Entschleunigung und hatte wirklich mal Zeit und Ruhe um mir
über vieles in meinem Leben und meiner Zukunft klar zu werden.

Abends standen wieder 2 Stunden intensiver Yogapraxis an, danach wartete wiederum ein jedesmal traumhaftes Buffet auf uns. Spätestens jetzt wurde natürlich geschnackt – sich ausgetauscht, Bierchen und Weinchen getrunken und gemütlich zusammen gesessen. Wen es doch nochmal in die Stille und in ein für sich alleinsein zog konnte das problemlos machen, es war alles so herrlich entspannt und ohne jeglichen Zwang. Abends alleine mit einem Bier an der Mole zu hocken, dem Meer und den Pardelas (Gelbschnabel-Sturmtaucher – der lachende Gesang ist ein Video auf Youtube wert!) zu lauschen, diese Momente wirken noch immer nach.

Zugleich habe ich aber auch tolle und inspirierende Menschen kennenlernen dürfen, die mir durch gute und tiefgehende Gespräche viel Kraft, Mut und Wertschätzung gegeben haben. Eine Sache, für die ich unglaublich dankbar bin und von der ich noch immer zehre.

Danke an dieser Stelle für jedes gute Wort und jedes tolle Gespräch – es war herrlich mit euch!

Pilotwale vor der Bucht von El Cabrito – erfüllt von purer Dankbarkeit für dieses Geschenk!

Jedem, der auf der Suche nach einem magischen Ort der Stille und Naturverbundenheit ist und einfach mal ein paar Tage raus muss kann ich dieses herrliche Fleckchen Erde nur empfehlen.
So abenteuerlich und lang die Anreise auch ist (Flugzeug, Fähre, Boot) – es lohnt sich allemal!

Wir sehen uns in jedem Fall wieder! 🙂

Between the doors.
Belchen satt 2016.

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