Was Sport für mich ist – Urinstinkt & Lebenseinstellung.

Oft werde ich gefragt wie ich nur so diszipliniert Sport treiben kann. Wie ich mich zwingen kann, auch bei den widrigsten Wetterverhältnissen rauszugehen und zu radeln, zu laufen oder auch einfach wandern zu gehen. Wie ich es nach einem langen Arbeitstag noch schaffe, mit dem Rad ein paar Berge zu fahren oder diese hochzulaufen.

Oft fällt mir dazu erstmal keine Antwort ein, da mir diese Fragen so unerklärlich vorkommen. Um sie wirklich beantworten zu können, müsste ich mich irgendwie selbst erklären.

Jeglicher Sport den ich betreibe oder jegliche Bewegung die ich ausübe, vor allem draußen, entspringt einfach meinem Sein, meiner Lebenseinstellung und dem, dass ich so handle wonach mir gerade ist.

Wir Menschen sind Lauf- und Bewegungstiere. So wie Pferde, die am Tag gut und gerne 12 km bei Grasen zurücklegen können, nicht dafür gemacht sind stupide in Boxen gehalten zu werden sind wir nicht dafür gemacht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzend zu verbringen nur um abends nach dem Heimweg mit dem Auto aufs Sofa zu fallen und uns weiter nicht zu bewegen.

Ein solcher Alltag beschränkt nicht nur unseren Körper – nein, auch unseren Kopf, unser Denken, unsere Kreativität.

 

Höhenmeter um Höhenmeter den Berg erklimmen. Kopf aus – Herz an.

 

Mir fallen nicht am Schreibtisch die besten und kreativsten Ideen ein und ich schmiede auch nicht am Sofa meine neuesten Pläne von Rad- oder Lauftouren. Auch löse ich innere und äußere Konflikte nicht dadurch, dass ich herumsitze und die Wand anstarre.

Mit jeder Bewegung und jeder Minute die ich mich draußen frei bewegen kann – und da ist es egal ob die Sonne scheint oder der Regen fällt – wird der Kopf und das eigene Mindset freier. Der Horizont im Denken wird weiter und kann sich ausbreiten.

Diese Freiheit kann ich mit einer Art Meditation vergleichen – die ich übrigens auch beispielsweise beim Kochen erfahre (so esoterisch das auch klingen mag ;)).

 

Belohnende Aussichten – jede Anstrengung wert. 

 

Pure Freude am Berg. 

 

Sport ist für mich nicht einfach nur „Sport“ oder der Gedanke abends noch unbedingt x Stunden oder x km radeln zu müssen, x Bahnen zu schwimmen und x kg Gewichte zu stemmen.

Es kommt einfach aus meinem tiefsten Inneren. Aus der Freude daran, dass man sich bewegt, frei ist und man erfährt wie stark man ist. Körperlich aber auch geistig.

Man erfährt so viel draußen in der Natur. Von ihr – aber auch von sich selbst. Die Landschaften die man sieht, die vielen Kleinigkeiten am Wegesrand, wilde Tiere, Wolkenformationen.

Den Geruch von Wald, von Schnee, von Sonne, nasser Erde, Laub. Wenn ich nach längerer Zeit wieder nach Hause komme oder ich nach einer langen Anfahrt an einem neuen Ort ankomme – so komme ich erst richtig an wenn ich mir das Rad oder die Laufschuhe packe und ich mich auf und rausmache.

 

Bewegung, Natur und die Tiere – das wahre Glück ist so simpel.

 

Steige ich aufs Rad und setze mir eine Grenze, wie beispielsweise das Ziel mindestens 2 Stunden zu fahren, fühle ich eine immense Demotivation. Ich fühle mich eingeschränkt. Fahre ich stattdessen einfach los und setze mir keine Grenze – ich radle stundenlang. Oder laufe stundenlang. Mit jeder Minute und jedem Kilometer wird mein Kopf immer freier.

Man spürt irgendwann wieder, dass Bewegung etwas Urnatürliches ist und dass einem der Alltag diese Natürlichkeit raubt. Es ist oft harte Arbeit sich dagegen zu wehren und sich diesen Instinkt zu bewahren.

Durch diese Erkenntnis und die Erfahrung, wie frei der Kopf werden kann kam ich wohl auch zu den extremeren Touren. Es langweilte mich immer mehr nur Runden zu fahren. Zu wissen, wo ich abends wieder ankommen würde und vor allem der Gedanke daran, dass ich dort wieder ankommen muss.

Dieser Gedanke nahm mir immer mehr die Freude daran und lies mich häufiger Etappentouren unternehmen – am liebsten in den Alpen. Erst gezielt mit einem Endpunkt für jeden Tag, dann spontaner ohne einen Bestimmungsort. Fahren und bleiben wo es einem gefällt – herrlich!

Natürlich fordert dies auch mehr Anstrengung und Stress, wenn man bis kurz vor der Dunkelheit immer noch keine Unterkunft gefunden hat und die vielen km des Tages langsam aber sicher an den Kraftreserven nagen.

Und dennoch, diese Touren blieben mir länger im Gedächtnis als andere anderen.

 

Das Rad, der Rucksack und die Freiheit – mehr braucht es nicht zum glücklich sein.

 

Irgendwann wollte der Kopf noch freier sein. Wenn ich fahren kann und dabei so ausgerüstet bin dass mich die Nacht nicht in meinem Weg hemmt, konnte ich noch um einiges freier sein.

Sobald ich den Gedanken einmal umgesetzt hatte, war der letzte Damm quasi gebrochen. Ich fahre los – und fahre.

Kein Endpunkt, keine Grenze, kein „Erreichen müssen“.

Bloß sein und kurbeln. Wenn die Nacht hereinbricht, weiter kurbeln, solange bis die Sonne wieder aufgeht. Oder man eben doch müde wird und sich, weil man seiner inneren Stimme folgt, hinlegt und schläft (ich weiß, dafür sollte man schon ein Faible dafür haben, auch mal im Biwacksack und im Straßengraben zu schlafen 😉 – aber wer das kann, dem kann ich das nur empfehlen..).

Zur Ruhe kommen und irgendwann eins mit der Natur und sich selbst sein.

 

Glück in jeder Zelle fühlen. Freisein. Draußensein.

 

Natürlich muss nicht jede Bewegung so „extrem“ gelebt werden – es kommt darauf an für sich das richtige Maß und den richtigen Weg zu finden. Auch ein halbstündiger Spaziergang an der frischen Luft kann einen befreien – dafür muss es nicht der 50 km Lauf in den Bergen sein.

Hört man auf die innere Stimme und wird ihr folgen, wird man das Richtige für sich und seinen Körper tun.

Diese ganzen Gedanken schießen mir also durch den Kopf wenn ich die Frage nach der Disziplin höre und sie erklären vielleicht auch, wieso das Wort Disziplin mir bei all meinem Sport eher fremd ist oder besser gesagt unpassend vorkommt.

Dass es mich eher Disziplin kostet, diesem inneren Drang nicht zu folgen (was ich glücklicherweise nur muss wenn ich krank bin – und dann hat es auch den einzigen für mich vernünftigen Grund).

Bewegung ist also Lebenseinstellung und Freiheit.

 

Oben!

 

Ich bin froh, dass das so ist und ich schätze es sehr. Denn es war nicht immer so. Es gab Zeiten, in denen war der Sport tatsächlich nur ein Instrument, ein Zwang, etwas, mit dem ich mich und meinen Körper kontrollieren konnte und wollte. Es war kein Glück, sondern Unglück, ein gehetztes Sein aus Müssen und gezwungen sein.

Wie dankbar bin ich also darum, dies abgelegt zu haben. Es war ein langer Weg bis hierhin und ich realisiere langsam aber sicher dass er fast geschafft ist. Dass alles andere in meiner Vergangenheit liegt und ich gelernt habe, dass es viel tiefergehenderes Glück gibt als ich dachte.

Diese Erkenntnis und das Glück bewahre ich und hüte es wie einen Schatz – damit es mir nicht wieder verloren geht. So wie ich den Keim lange gehütet habe der sich mit dieser Einstellung entwickelt hat- so gebe ich jetzt auf dessen Ernte Acht.

Und hoffe inständig dass mir dies immer gelingen wird.

 

Freie Horizonte. Ein Geschenk.

Hallo 2018! Von Herzensrichtungen & Lebensgrätschen.
Gegen den Strom.

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