Was in uns liegt.

„Was vor uns liegt und was hinter uns liegt, sind Kleinigkeiten zu dem, was ins uns liegt.“

(Henry David Thoreau)

Es ist nicht einmal ein Jahr her, als ich mich aus meinem damaligen Hamsterrad herausgestohlen habe um mich aus einer Situation zu befreien, die mich schon viel zu lange sowohl unglücklich als auch krank gemacht hatte. In dem Eintrag „Lebenswege – das Leben ist eine Reise“ beschreibe ich damals sehr genau um welchen Umbruch es zu dieser Zeit für mich ging.

Ein elementarer Fokus in diesem Umbruch lag hier auch im Erkennen und Lösen von alten Mustern. Ich meine jene Verhaltensmuster, die uns in unserem Alltag immer wieder begegnen, die uns teils anerzogen worden sind und die wir uns aber  auch selbst erworben und antrainiert haben.

Diese Muster sowie festgefahrene Meinungen und Verhaltensweisen, ständig wiederkehrende Reaktionen auf bestimmte Lebensumstände und -erlebnisse passieren meistens unbewusst und ohne dass wir sie aktiv einsetzen.

Einst haben wir sie uns angeeignet, um uns für bestimmte Situationen „zu wappnen“ und uns zu schützen. So waren sie in der Vergangenheit einmal ganz hilfreich und haben uns durch schwierige Lebenslagen gebracht.

Doch während wir im weiteren Leben an ihnen festhalten und ihnen unbeirrbar folgen, weil wir sie vermeintlich noch „brauchen“, merken wir oft gar nicht, wie sehr sie uns in unserer weiteren Entwicklung hemmen.

 

Bestimmst wirklich selbst du den Weg den du gehst?

 

Es gibt die kleinen Handlungsmuster, wie zum Beispiel das ritualmäßige Heimkommen nach Feierabend, das immer selbige Abspulen von all den Dingen, die noch zu tun sind, eine Art automatisiertes Erledigen seines Lebens.

Und es gibt die großen Muster, die zwischenmenschliche Beziehung betreffen können, uns in diesen beschränken und unser Verhalten bestimmen, sei es Freunden, Arbeitskollegen, Arbeitgebern oder auch Fremden gegenüber.

Es passiert hier oft, dass wir in Situationen kommen, die der Vergangenheit ähneln und in denen wir automatisch wieder genauso handeln wie wir es damals getan haben. Ohne vorher abzuwägen ob  jetzt vielleicht nicht eine andere Reaktion besser angebracht wäre.

Dann gibt es noch die Muster, die nur uns selbst betreffen. Gedankenstrukturen wie „Ich würde gerne, aber..“, „Wenn ich doch nur..“, „Hätte ich, dann könnte ich..“ können sich unbewusst immer wieder wiederholen, egal in welchem Lebensbereich – sei es im Arbeits- oder im Privatleben.

Wir neigen dadurch viel zu häufig dazu, uns selbst zu demotivieren. Haben schnell zu wenig Glauben an unsere eigenen Fähigkeiten, verleihen unseren Visionen und Träumen zu wenig Bedeutung, mindern sie in ihrer Wertigkeit.

Stattdessen schauen wir zu viel nach rechts und links, wollen uns danach richten, was andere tun, eifern ihnen und ihrem vermeintlichen Glück hinterher.

 

Stille für sich – nicht für andere.

 

Wir beschweren uns oft, dass die Zeit mit den Jahren immer schneller dahin zieht. Dass wir immer weniger Zeit für die Dinge haben, die uns wichtig sind, und das Jahr so plötzlich so schnell schon wieder vorbei ist.

Wenn ich mir anschaue, wobei die Zeit am schnellsten umgeht, ist es genau dabei, wenn wir die Dinge automatisiert und – in unseren antrainierten Mustern – erledigen. Wir unser Leben einfach abspulen.

Sekunde für Sekunde, Tag für Tag, Monat um Monat und Jahr für Jahr.

Wofür das Ganze? Wofür das Leben erledigen, aushalten, abspulen – anstatt es einfach mal zu leben?

Als Kind schienen sechs Wochen Sommerferien schier endlos zu sein – was sind für uns heute noch sechs Wochen? Der Entdeckergeist eines Kindes, bei dem jeder Tag ein neues Abenteuer bergen kann – wo haben wir diesen verloren? – Und, viel wichtiger: Wo finden wir diesen wieder? Wie brechen wir mit alten, festgefahrenen Mustern um uns wieder freier zu machen und unser Leben mehr zu leben?

 

Raus und wahre Auszeit finden. Machen, statt verharren.

 

Der Ruf nach Entschleunigung und einer wahren Sinnfindung wird bei vielen Menschen immer größer, doch die wenigsten wissen, wie sie hier ihr Ziel erreichen können. Dieser Weg wird schwierig sein, wenn man erstmal nicht erkennt, was einen eigentlich darin hemmt, sich selbst besser zu erkennen und vor allem zu erfahren, was man überhaupt als Ballast so mit sich herum schleppt und einen dabei in einer weiteren Entwicklung aufhält.

Man kann nur zu sich selbst stehen, wenn man weiß wer man eigentlich ist. Dabei zählt weder, was war und noch, was da noch kommen mag.

 

Träume umsetzen und leben.

 

Der Eingangssatz des Artikels beschreibt diesen Zustand nur zu gut. Denn im Grunde liegt das ganze Handwerk dazu schon in uns, unabhängig von unserer Vergangenheit und unserer Zukunft, die wir ja ohnehin nicht beeinflussen können.

Alles, was wir zum eigenen erkennen brauchen, ist da. Wir müssen es nur nutzen. Zu unseren Gunsten, zu unserem Wohlsein.

Es kostet sowohl Zeit als auch Kraft und Nerven, festgefahrene Muster zu erkennen.

Sie dann auch noch aufzulösen, ist ein langer Prozess – quasi eine Art Lebensprojekt. Zumindest ist es das für mich, denn je nachdem, wie lange man bestimmte Muster schon so mit sich herum trägt, kann es ganz schön anstrengend sein, sich von diesen wieder zu befreien. Das mag nicht immer ganz so klappen, was aber auch nicht schlimm ist – denn immerhin ist der erste Schritt gemacht und das ist erstmal die entscheidende Hauptsache.

 

Dem eigenen Weg unbeirrbar folgen – eine Lebensaufgabe.

 

Es kostet Achtsamkeit, sich immer wieder neu zu besinnen und zu beobachten, ob man gerade von seinen Mustern gesteuert wird oder ob man wirklich bewusst handelt.

Achtsamkeit braucht Zeit.

Es ist schier unmöglich, in der Hetze des Alltags achtsam mit sich umzugehen und bewusst zu leben. Das ist mir in den letzten Wochen, die sehr arbeitsintensiv und anstrengend waren, wieder klar vor Augen geführt worden.

Es waren Wochen, die mir gezeigt haben, dass ich nicht mehr nach veralteten Mustern, nach denen ich noch vor ein bis zwei Jahren funktioniert habe, leben kann.

Es war eine ziemliche Herausforderung, in dieser Zeit nicht ganz den Kopf zu verlieren und wieder in alte, destruktive Muster (Stichwort „funktionieren“) zurückzufallen.

 

Finde Kraftorte, die beim Entschleunigen & Besinnen helfen.

 

Das Leben kann ganz schön spannend werden, wenn man unter dem Deckel alter Verhaltensweisen plötzlich ganz neue Dinge an sich entdeckt. Wie befreiend kann es sein, das zu erleben? Wie befreiend kann es sein, unter diesem Deckel plötzlich neue Möglichkeiten, Träume und Visionen zu entdecken?

„Diesen Sommer“ sagte er und sah Ronja an,

„ja diesen Sommer werde ich bis an mein Lebensende in mir tragen, das weiß ich.“

(Ronja Räubertochter / Astrid Lindgren)

Trau dich, wieder mehr ein Kind zu sein.

Ein Kind mit einem Freiheitsdrang wie Ronja Räubertochter. Mit dem Drang danach, dass jeder Tag so einzigartig sein darf wie er nur sein kann.

Mit dem Wunsch, dass dieser Sommer nicht nur ein Sommer von vielen ist, sondern eben dieser eine Sommer wird.

An den du dich immer erinnern wirst.

Den du wirklich gelebt hast und nicht nur erledigt und überstanden hast.

 

 

Was hält dich noch davon ab, deine Träume zu leben?

Du willst auch nach Feierabend noch etwas erleben? Tu es!

Du willst weniger arbeiten und mehr freie Zeit haben? Stehe dazu, nimm sie dir, trau dich! Du willst ein neues Hobby anfangen, mehr Zeit haben für die Dinge die du liebst, ein bislang nicht realisiertes Projekt verwirklichen? Geh es an!

Löse dich davon was du denkst was vorher noch alles zu tun wäre – tu das, was für dich richtig ist.

Gib dir die Freiheit, nimm sie dir – denn es ist dein Leben und in diesem zählt jede einzelne Sekunde.

 

Hello again! - auf Schwarzwald Bikepackingtour 2018.
Ligurien, französische Seealpen & Wittgenstein 2018: Follow the sun. And always your heart.

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