Stop running – you’re already there.

 

Sei einfach daheim – bei dir selbst. 

 

Wir streben immer mehr nach Selbstoptimierung.

Im Beruf, im Alltag, im Privatleben.

Höher, schneller, weiter. Wir gestehen uns erst dann Ruhe und Erholung ein, wenn wir erst dieses oder jenes erledigt und geleistet haben.

Arbeiten erst Liste A ab bevor wir uns an Liste B begeben. Gestehen uns erst eine Pause ein, wenn wir vorher etwas „geschafft“ haben. Legen uns den ohnehin schon so vollen Tag durch Dutzende weitere Aufgaben, die „eben noch schnell erledigt“ werden müssen, noch voller. Können selbst  im Urlaub nur dann abschalten, wenn wir komplett den Wohnort verlassen und vor der festgefahrenen Struktur zuhause flüchten.

Und verpassen dabei jegliche Faszination des Lebens selbst.

 

 

Es gab Zeiten, in denen ich mich wahrscheinlich gegen diesen (negativen) Strom besser zur Wehr setzen konnte beziehungsweise es mir leichter fiel, ihn erst gar nicht so dicht an mich heranzulassen. Zeiten, in denen ich mich gut auf mich selbst besinnen konnte, mir mein Fokus im Leben sehr viel klarer war und ich ihn nicht so schnell aus den Augen verlor wie derzeit.

Zeiten, in denen ich gut damit klar kam, auch mal keinen Plan mehr zu haben.

Denn es gab nicht viel zu verlieren, weder Geld, Beruf noch andere Habseligkeiten. Es gab auch keine tausend Möglichkeiten an Plänen oder Reisen mehr, die einem offenstanden – und das war zu diesen Zeiten auch okay so.

(Wie es mir dabei erging: Lebenswege – das Leben ist eine Reise. & Vom Hunger nach Freiheit.)

Es war eine Zeit des „Nullens“, des bewussten „Mangelzustandes“,

eine Art Drücken der Resettaste mitten im Leben.

Alles mal auf Status Null gesetzt zu haben – sowohl finanziell als auch beruflich und privat – war eine ganz besondere Erfahrung und ich möchte sie, so schwer diese Zeit auch war, bis heute nicht missen.

 

 

Denn wenn ich mich jetzt an diese Lebensphase erinnere, fällt es mir sehr viel leichter, die verpassten und nicht geglückten Pläne der letzten Zeit leichter hinzunehmen und einzig und allein die wertvollen Erkenntnisse und guten Erinnerungen aus ihnen mitzunehmen, anstatt mich im Groll an alles vermeintlich „Verpasste“ festzuhalten.

Natürlich betrauert man all das, was man nicht verwirklicht hat – doch hat man gleichzeitig ja auch andere Dinge erfahren, die in dieser Trauer nicht untergehen sollten.

Das Leben ist mehr als ein Streben nach höherer Leistung, mehr als ein ständiges Funktionieren und mehr als ein Festhalten an Plänen und Vorstellungen, die wir abzuarbeiten haben.

 

 

Nur weil wir immer so funktioniert haben, heißt das nicht, dass wir es weiterhin tun müssen.

Ich weiß von mir selbst, dass ich gut funktionieren kann. Ich kann sehr gut Leistung bringen, weit über jegliche Schmerz- und Leistungsgrenze hinaus.

Ich kann gut über meine eigenen Grenzen gehen, egal, ob es mir gerade gut tut oder nicht.

Ich weiß, dass ich mich selbst kasteien kann.

Ich weiß, dass es in der Vergangenheit sehr oft sehr gut funktioniert hat.

Heißt das, dass ich es deshalb immer weiter und jederzeit so tun muss? – In keinem Fall. Und mittlerweile hat sogar mein Körper gelernt, mir das frühzeitig anzuzeigen. Und ich habe jetzt zu lernen, diese Zeichen auch frühzeitig zu lesen. Denn wenn wir unser Leben nachhaltig und langfristig bewusst leben wollen – ist dies der einzige Weg:

auf uns selbst und all unsere Sinne zu hören und ihnen voll und ganz zu vertrauen, mit allen Konsequenzen und Wandlungen, die dieser Schritt mit sich bringt. Der Verstand kann uns da schnell einen Strich durch die Rechnung machen. Er mag keine Veränderung, keine Wandlung. Hält sich immer wieder an den altbekannten Dingen fest – aber er hält uns dabei auf. Verhindert, dass wir unser Leben voll und ganz leben können.

 

 

Jeden Menschen treibt etwas an. Jeder Mensch hat seine eigenen Ziele, Wünsche, Vorstellungen vom Leben. Und jedem Menschen wünsche ich von Herzen, dass er diese, wann immer möglich, in seinem Leben umsetzen kann oder  dass er zumindest auf einem guten Weg dorthin ist.

Auf dem Weg zu uns selbst halten wir uns oft durch tausend andere Dinge davon ab, auch dorthin zu gelangen. Stehen uns selbst im Weg. Lassen uns ablenken von den Dingen, die scheinbar noch zu erledigen wären, uns ablenken von anderen Personen, deren Ziele unsere vermeintlich in den Schatten stellen.

Vergessen, wer wir sind, was uns ausmacht.

Das Leben eines anderen wird niemals zu uns passen. Wann immer wir versuchen, uns andere Wünsche aufzuzwingen, werden wir damit in eine Sackgasse rennen, was uns wertvolle Lebenszeit- und energie kosten wird.

Oft lassen wir uns aber auch durch unsere eigenen Selbstzweifel vom eigenen Weg abbringen. Haben nicht genügend Glauben an unsere eigenen Fähigkeiten, werten unsere Träume und Visionen im Inneren ab, ersticken diese im Keim.

Der rote Faden in unserem Leben gleicht dann immer mehr einer verworrenen Schnur, die sich mehr und mehr verknäuelt und verknotet, bis sie uns irgendwann ins Nichts führt, uns vor eine große Wand stellt und uns an den Punkt bringt, an dem wir nicht mehr weiter wissen.

 

 

Wo sollen wir an diesem Punkt denn dann noch hin?

Zurück zu uns selbst. Unseren Wurzeln. Spätestens dort sollten wir anfangen, auszumisten, aufzuräumen, uns neu zu sortieren. Uns vom unnötigen Ballast in unseren Leben zu lösen. Wir müssen die Lautstärke um uns rum leiser drehen, die Stimmen in unserem Kopf ausblenden. Die scheinbar tausend Möglichkeiten, die das Leben uns in der heutigen, schnelllebigen Zeit bietet, minimieren.

Uns eben wieder „nullen“.

Uns selbst eingestehen, dass Leistung und Funktionieren im Leben nicht alles ist. Dass die kleinen Dinge im Leben wieder mehr an Wert gewinnen dürfen. Dass man nicht Tage zählt, sondern Momente, Erinnerungen.

Wir müssen dafür nicht zwingend in ein fernes Land reisen. Müssen nicht sofort den Rucksack packen und uns auf den Weg machen. Müssen nicht alle Zelte abbrechen, keine Fernwanderwege laufen, keine Alpen überqueren, keinen Job kündigen und keine Radikalveränderung vollziehen.

 

 

Wir müssen uns einfach nur Zeit nehmen.

Denn die Zeit, sie ist niemals unser Feind – sie ist ein Geschenk, solange wir sie nur wirklich zu unseren Gunsten nutzen. Wir haben so selten mal Zeit für uns selbst und verplanen sie uns dennoch bis in die letzte Sekunde, sobald wir sie mal zur Verfügung haben.

Wieso tun wir das?

Aus Angst, etwas zu verpassen?

Aus Angst, mal nicht zu funktionieren, ohne Sinn, ohne Aufgabe zu sein?

Aus Angst, später nichts berichten zu können, keine Story zu haben, die unser Leben zu erzählen weiß?

Denn Zeit ist nur dann vergeudet, wenn wir sie nicht bewusst leben. Wenn wir sie bewusst verstreichen lassen, sie für uns und unseren Sinn passieren lasse, auch ohne etwas „geschafft“ zu haben, wird sie niemals einfach vergeudet sein.

In diesem Raum der Zeit kann plötzlich wieder Kraft und Mut entstehen, Wandlungen und die Dinge anzugehen, vor denen man vorher wie gelähmt stand.

Der rote Faden im Leben entwirrt sich wieder, und man kann langsam wieder an ihm vorangehen.

 

 

Stück für Stück, ganz bewusst. Und wahrscheinlich bewusster als je zuvor, dass es tatsächlich der eigene rote Faden ist, dem man dort folgt.

Man hat Zeit, zurückzuschauen und zu erkennen, ob man in der vergangenen Zeit wirklich nach seinen Werten und Vorstellungen gelebt hat oder wieder davon abgedriftet ist.

 

Weißt du, wo dein roter Faden ist, wie fühlt er sich an?

Bist du bei dir, bist bei dir wirklich noch daheim – oder driftest du ab?

Wann hast du zuletzt innegehalten, bewusst gelebt?

Welchen Ballast kannst du abgeben – welche Dinge brauchst du wirklich?

Schau, wohin du wirklich willst – und mach dich wieder frei für einzig und allein deinen Weg.

 

Trust your path of life.
My inner freedom stated as Bikepacking.

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