My inner freedom stated as Bikepacking.

 

„Nur wer umherschweift, findet neue Wege“

(Norwegisches Sprichwort)

Bikepacking. In diesem kurzen Wort stecken zwei meiner größten Leidenschaften: mein Bike (hier gilt vor allem das Mountainbike, aber auch mein Rennrad und Herkules, mein alter Stahlrenner) & Packing, das Packen meiner wenigen Habseligkeiten und die Reduzierung derer auf das Minimum.

Was mittlerweile immer populärer wird, ist für mich schon seit Jahren die mir liebste Art & Weise, wie ich meine freie Zeit gestalte: unterwegs zu sein mit dem Rad, reisend mit Minimalgepäck – natürlich am liebsten dort, wo es Berge und Natur satt hat.

Was sich allerdings mit den Jahren geändert hat: Das Rennrad als Reisebegleiter wird immer mehr abgelöst vom Mountainbike – und das enorme Plus an Freiheit, die sich daraus ergibt, ist unbeschreiblich.

 

Gipfelfreiheit.

 

Es ist, als würde sich das Gefühl des Abenteuers verdreifachen, vervierfachen, einfach total potenzieren.

Eine neue Ungebundenheit ergibt sich. Ich bin nicht mehr länger gebunden an die Straße – es kann einfach frei durch den Wald gehen, mal rechts, mal links, mal steif bergauf, steil bergab, querfeldein, immer der freien Schnauze nach.

Da man sowieso alles für eine Übernachtung unter freiem Himmel dabei hat, ist es auch egal, ob man abends noch eine Unterkunft findet. Man muss nicht erst von der Straße wegfahren, um ein ruhiges Plätzchen zum Biwakieren zu finden, man hat diese Traumplätze permanent vor der Nase, muss nur noch anhalten um sie zu nutzen.

Und wenn man dann vielleicht doch durch Zufall ein heimeliges Wanderheim oder eine kleine Hütte zur Übernachtung findet – umso schöner, denn wenn man so minimalistisch unterwegs ist, weiß man solchen Luxus gleich wieder viel mehr zu schätzen, ebenso wie den Kontakt mit anderen Menschen.

 

Aufbruchsstimmung.

Zufallsfund & spontane Unterkunft bei Hagelgewitter im Schwarzwald – ein Geschenk!

Heimelige Schwarzwaldhütten.

Wobei das eigene Nachtlager auch nie zu verachten ist.

Morgenstimmung am Streckereck – Abenteuer vor der Haustür.

 

Bikepacking querfeldein boomt immer mehr. Es gibt mittlerweile zahlreiche Events, bei denen Leute aller Art gemeinsam antreten, um beispielsweise auf Schotterpisten, wurzeligen Trails und abgeschiedenen Wegstrecken durch Deutschland, Amerika, die Schweiz oder durch halb Europa (die Möglichkeiten sind hier nahezu unbegrenzt) zu fahren.

Es geht einerseits ums Ankommen – darum, etwas Großes zu schaffen.

Vorrangig geht es aber ums Abenteuer, das Ausloten der eigenen Grenzen, darum, auf Selbstversorgerbasis nur mit sich und der Natur im Einklang zu sein. Den Fokus zu haben auf das eine Ziel und dieses aus eigener Kraft zu erreichen.

 

Doch Bikepacking ist viel mehr als das.

Es ist mehr als die Ausstattung des Bikes, das ideale Equipment, die beste Route.

Es ist ganz simpel die Freiheit, mit sich und seinem Bike draußen unterwegs zu sein.

Zu wissen, dass man nicht viel mehr braucht als das.

Dass die Natur und das minimalistische Dasein einfach ausreicht.

Dass das Leben einfach passiert und diese Tatsache auch unterwegs einfach so sein darf. Dass es keinen festen Plan geben muss, dass es das Schönste ist, wenn man in jeder Minute seine Richtung neu bestimmen kann.

Abseits von Müssen, abseits von Zwängen, abseits des Alltags und abseits der Straße.

 

Einfach sein.

 

Ich fahre schon immer auf der Straße ganz ohne GPS, habe mir noch nie vorgefertigte Routen zugelegt um diese nachzufahren. Es gibt für mich nur Karten, die sind meist so abgegriffen und zerfetzt dass man sie als Andenken an all die Touren eigentlich schon einrahmen könnte, denn benutzungsfähig sind die meisten nicht mehr. Dafür habe ich die Straßen jetzt im Kopf – und kann sie frei aus den Erinnerungen heraus nachfahren, oder aufzeichnen, wenn ich das müsste.

Nicht mal im Belchensatt, dem 600km Superbrevet, bei dem ich mich nachts allein auf der Straße durch den tiefsten Jura navigieren musste, habe ich ein GPS benutzt. Ich habe mich auf die Karte, auf mich und den richtigen Weg verlassen. Zwar hatte ich für den Notfall ein GPS dabei – aber konnte es eh nicht benutzen, also hätte ich es mir auch sparen können.

Auf diese Weise habe ich mich nachts zwar 30 km verfahren und musste umkehren (um die 30 km wieder zurückzufahren), was mich enorme Zeit und Kraft gekostet hat.

 

Nicht immer liegt die Richtung so offensichtlich da wie hier.

 

Aber – ist das nicht so wie im realen Leben? Wir gehen manchmal Wege, die nicht die richtigen sind, müssen umkehren, die Entscheidung überdenken, uns neu orientieren, uns in der Gelassenheit üben, solche Irrwege einfach hinzunehmen und einfach zu akzeptieren.

Das macht das Leben ja erst spannend.. – und das Bikepacking allemal!

Wie oft musste das Rad schon durchs Gebüsch geschleppt werden, über steile Hänge geschleppt und mehrfach bergauf oder bergab* geschoben werden (*ich bin ein Abfahrtstechnikbanause – schwierige Trails werden von mir mangels Technikerfahrung geschoben, das ist zwar schade – aber ausbaufähig, man lernt ja nie aus ;)).

Man schlingert durch Schlamm, fällt, steht auf, schiebt weiter.

Zieht den Dreck von den Rädern, wischt ihn sich aus dem Gesicht, popelt ihn aus der Nase, kratzt ihn aus den Ohren.

Radelt im Regen, bei Sonne, Hitze und Kälte. Versucht, auch bei Gewitter im Wald noch Schutz zu finden. Harrt aus, wenn es zu heikel wird. Fährt weiter, wenn es wieder geht.

Flickt den Platten im strömenden Regen, ist voll mit Matsch oder Staub, verschmiert mit Öl.

Flucht über sich selbst, wenn man keine Line findet, kein Flow am Trail da ist. Freut sich, wenn es dann doch einfach rollt, wenn man eine schwierige Passage geschafft hat, der Puls nach dem Adrenalinkick wieder runterkommt.

 

 

Es kann Anstrengung pur sein. Man geht über seine Grenzen, hat den Fokus  einzig und allein aufs Durchkommen gerichtet und erlangt ein irre Glücksgefühl, wenn man es dann endlich geschafft hat.

Wenn der eigene Weg dann doch funktioniert hat, auch wenn er am Anfang noch so undurchdringlich aussah. Dan  macht sich Zufriedenheit breit. Glückseligkeit. Ein inneres Ankommen, ein Ende einer inneren Suche.

Während die Reisen mit dem Rennrad bei mir immer noch minimal an einen Leistungsgedanken gehaftet sind (Anzahl der Kilometer, Höhenmeter – auch wenn ich freiwillig und aus Leidenschaft Berge und Langstrecke fahre, neige ich doch manchmal dazu, mit weniger nicht ganz zufrieden zu sein), ist das Bikepacking querfeldein absolut befreit davon.

Ob es 10, 50 oder 100 km und mehr sind; 100, 1000 oder 3000 Hm – es spielt keine Rolle. Auch, ob man nur für eine Nacht mal unterwegs ist oder für ein paar Tage.

Der Tacho, der meist sowieso nicht an meinem Mountainbike montiert ist, zählt nicht.

 

Geliebte Heimatpfade. Am Rothaarsteig. 

Heimatliebe.

 

Es zählt einzig und allein die innere Zufriedenheit, die sich draußen unterwegs schon nach den ersten Kilometern einstellt. Dieser Fokus auf die kleinen Dinge. Die Dinge, die wir auch direkt hinter unserer Haustür erleben können. Für die wir weder nach Island, Grönland, Neuseeland oder sonst wohin reisen müssen. Die uns nichts kostet. Bei der wir nicht müssen, sondern einfach sein dürfen.

Denn wir müssen beim Bikepacking gar nichts – nur in die Pedale treten. Und selbst wenn wir auch das gerade nicht wollen und einfach anhalten, innehalten – sind wir immerhin genau dort, wo wir doch sowieso am glücklichsten sind:

Unterwegs und draußen!

 

 

Stop running - you're already there.
Von der Kraft unserer Ressourcen.

6 Kommentare bei „My inner freedom stated as Bikepacking.“

  1. Hey Leona,
    super geschrieben! Genau so sieht es aus: Man muss beim Bikepacking gar nichts – nur in die Pedale treten. Ich finde das ist das Entspannendste überhaupt, egal wie anstrengend der Weg ist.
    Und jetzt – nach dem Lesen Deiner Ode an’s Bikepacking – ist die Vorfreude noch größer: Unser nächster Trip geht nächsten Monat in die Pyrenäen. Auch ohne Navi, nur mit Karte und auch diesmal als Premiere auf Gravelbikes.
    Und wie cool, dass Du um die Ecke her kommst. Ich bin aus dem südlichen Siegerland/Westerwald und hab den Rothaarsteig doch wiedererkannt 😉
    Vielleicht trifft man sich ja zufällig mal im Wald oder auf der Straße. Würde mich freuen!
    Liebe Grüße aus dem Daadetal
    Elisa

    1. Vielen lieben Dank, Elisa. Habe dir ausführlicher noch bei FB geantwortet – ich wünsche euch aber auch hier nochmal einen tollen Trip in die Pyrenäen! Ein wilder Traum – genießt es! Viele liebe Grüße & hoffentlich mal bis bald auf heimischen Trails! 🙂 Die Heimat ist doch eben die Schönste 😉 Viele Grüße aus der derzeitigen Wahlheimat Freiburg, Leona

  2. Tolle Hommage ans Bikepacken!
    Gerade die Einfachheit, dass Reduzierte und diese totale Freiheit liebe ich daran.
    Und du hast recht, Umwege erhöhen die Ortskenntnis.
    LG
    HOLGER

    1. Vielen lieben Dank! Und ja, Umwege (und wie ich sie manchmal hasse ;)) erhöhen die Ortskenntnis ungemein. Manchmal entwickeln sich daraus aber auch die schönsten neuen Lieblingsstrecken. Oder sie bleiben einfach nur unsinnige, nervige Sackgassen 😉

      Viele liebe Grüße & bis hoffentlich bald mal in der Eifel!

      Leona

  3. Zwei für mich wichtige Erkenntnisse:
    1. Nimm es wie es kommt, Du kannst nicht auf alles vorbereitet sein!
    2. Das Abenteuer wartet vor Deiner Haustür!

    In den letzten Tagen habe ich Ecken meiner Heimat kennen gelernt, wie ich sie hier nicht vermutet hätte. Schlösser, Burgen, Hochebenen und kam mir vor, als wäre ich durch mehrere Länder gefahren, dabei war ich nur im Taunus an Rhein und Lahn unterwegs. Grandios!

    Nur das Duschen fehlt mir immer sehr, oder besser: das sauber sein!

    😉

    Toll geschrieben, wie immer!

    Liebe Grüße,
    Bernd

    1. Hallo Bernd, vielen lieben Dank für dein Kommentar! Und ja, das kann ich einfach nur so bestätigen. Die Bilder von deiner Taunustour bestätigen es nur… Warum in die Ferne schweifen – das Gute liegt so nah! 🙂 Es braucht keinen Flug, keine lange Autofahrt, kein Zugticket. Nur mal einen neuen Weg im Wald & etwas Neugier 😉
      Die Dusche fehlt mir aber auch immer – oder ein toller See, zumindest irgendwas um sich doch wieder etwas „menschlich“ sauber zu fühlen. Recht hast du da 😉

      Viele liebe Grüße aus Freiburg,
      Leona

Schreibe einen Kommentar