Hello again! – auf Schwarzwald Bikepackingtour 2018.

 

Spontan & frei –

von einer ungeplanten, dreitägigen Willkommen-zurück-im-Schwarzwald Bikepacking Tour.

Es ist Juli und ich bin jetzt schon seit guten 5 Monaten zurück in Freiburg und am Rande des geliebten Schwarzwalds. Und unglaublicherweise hatte ich bis dato in all dieser Zeit zwischen Arbeit, hin und her pendeln nach Hause um mein krankes Pferd zu pflegen und allen anderen Verpflichtungen die so anlagen, noch keine Gelegenheit gefunden, um mal wieder wirklich richtig im Schwarzwald und im Süden hier anzukommen.

Klar, durch diverse lange Tagestouren konnte ich meine neue Heimat schon richtig auskosten – doch wie das bei mir nun mal so immer ist, musste ich einfach mal „richtig“ unterwegs sein um in einer Gegend wirklich anzukommen, und das heißt praktisch einfach ein paar Tage am Stück zu radeln.

Da ich dieses Jahr straßentechnisch nur minimal motiviert bin (es sei denn es geht um Langstrecken, Nachtfahrten und andere Abenteuer) und es mich immer häufiger in den Wald und Off-Road zieht, fiel mir die Wahl, welches Rad denn jetzt bepackt werden soll, leicht:  das Mountainbike.

Ideal, um an diesem erstmals meine gesamte Bikepackingausrüstung zu testen, denn bisher habe ich diese immer nur am Rennrad und auf der Straße genutzt. Dies sollte sich jetzt endlich, endlich ändern.

Viel zu lange hatte ich mir während der arbeitsintensiven, letzten Wochen schon sehnsüchtig diverse Bikepackingunternehmen anderer Blogger und Bekannter verfolgt und wurde langsam ziemlich rappelig um endlich selbst wieder unterwegs zu sein.

 

Lang ersehnte Offroad-Freuden: Matsch im Gesicht, Glückseligkeit im Bauch. 

 

Pünktlich zum lang ersehnten freien Wochenende änderte sich der Wetterbericht natürlich wieder von heiß und sonnig zu heiter und dann zu gewittrig, stürmisch und regnerisch. Typisch? Ja, typisch.  Aber mittlerweile ja kein Hindernis mehr, zumindest keines, was mich von meinem „Plan“ abbringen sollte.

Plan? Plan war in jedem Fall nur, dass es die folgenden drei Tage nur mich, das Mtb und den Schwarzwald geben sollte. Nicht mehr und nicht weniger.

Keine Streckenführung, keine ausgetüftelte Route. Einfach fahren, frei sein, den Schwarzwald erkunden.

Und ja, auch eben die höchsten Gipfel auf dieser Tour mitnehmen. Das war dann schon ein Plan, zumindest ein Vorhaben, das ja aber eh unweigerlich durch meine Bergliebe verursacht wird und einfach dazu gehört.

 

1. Station: Lieblingsbank am Streckereck.

 

Ich packe also in einem noch ziemlich gestressten Modus das Mtb, packe das Nötigste zusammen, nehme nur Schlafsack und Biwaksack mit statt Zelt etc., packe den Rucksack mit Kocher, Essen und meinem derzeitigen Lieblingsbuch und schwinge mich Freitagsfrüh in den Sattel. Los geht die Tour also direkt von der Haustür aus. Ein Traum!

Über meine meine liebsten, schmalen Hausbergtrails geht es bei bestem Wetter hoch Richtung Wildtalereck und Streckereck, ein kurzer Halt an meiner Lieblingsbank und ich fahre weiter Richtung Platte, Plattenhof und Kandel – mein Hausberg zieht mich wie immer magisch an und darf auf der Tour natürlich nicht fehlen.

Schon auf den ersten Kilometern verschwinden alle Selbstzweifel an der Tour, alle Überlegungen an möglichen Alternativen und anderen Vorhaben rücken langsam in den Hintergrund. Der Kopf wird immer freier und langsam aber sicher beruhigt sich mein Stresspegel der letzten Wochen.

Freiheit – endlich, dich gibt es noch!

 

Gipfelglück Nr. 1: Mein Hausberg, der geliebte Kandel!

 

Am Kandel angekommen feiere ich das Gipfelglück erstmal mit einem Stück Kuchen und einem großen Haferl Kaffee. Berge radeln, schieben und schleppen heißt eben auch mal gönnen können.

Es ist ein schönes Gefühl, im Reisemodus seine altbekannten Strecken kennenzulernen und dann aber auch wieder die Freiheit zu haben, vollkommen von diesen abzuweichen.

In diesem Radlfluss geht es nach dem Kandel dann weiter über den Thurner und Richtung Titisee. Immer wieder halte ich an und genieße einfach nur den Ausblick über all die Schwarzwaldberge und vor allem die Ruhe, die ich hier im Wald unterwegs finde.

 

Pure Schwarzwaldidylle.

 

Langsam zieht sich der Himmel zu und ich mache mir Gedanken darüber, wo ich eigentlich die Nacht verbringen könnte – aber noch ist es ja ein bisschen hin bis es dunkel wird.

Und notfalls – ja notfalls kann man ja auch immer noch die Nacht durchradeln.

Meine bisherige spontane Route führt mich immer näher ran an den Feldberg – dem höchsten Gipfel des Schwarzwalds. Doch noch bevor ich zum Titisee abfahren kann, werde ich von einem heftigen Gewitter überrascht, es hagelt, trätscht und blitzt und ich strande in einem Wanderheim, dass ich glücklicherweise  durch Zufall im Wald entdecke.

Und wen der Zufall es nun mal so will – ich bleibe dann hier auch einfach mal backen.

Es ist urig, gemütlich, warm, ich kann duschen und bekomme einen Platz im 10-Bett-Matratzenlager, das ich während der Nacht mein Eigen nennen kann.

 

Urig, einfaches Fest- & Abendessen.

 

Nach dem Gewitter mache ich es mir mit meinem Buch und der Ruhe um mich herum draußen gemütlich. Ich kann dem Feldberg dabei zusehen, wie er immer wieder unter Nebelschwaden verschwindet und wieder zum Vorschein kommt. Untermalt wird alles von ruhigem Glockengebimmel einiger Rinder in der Ferne.

Zum Abendessen gibt es von den Bewirtschaftern des „Berghäusles“ noch lecker Salat, Sauerkraut und Bauernbrot. Rustikal, einfach, urig. Ich bin selig!

 

Tour 2 an Tag 2 startet mehr oder weniger früh gegen 9 Uhr. Für meine Verhältnisse eigentlich sehr spät, aber es war auch einfach zu schön nach Wochen des Weckerklingelns am frühen Morgen einfach mal nach seinem eigenen Rhythmus aufstehen zu dürfen.

 

Diesige Nebelschwaden über den Bergen.

 

Wieder werde ich magisch vom nächsten Gipfel angezogen – es geht über den Titisee, an dem ich so schnell wie möglich vorbeiziehe, um die Touristenströme zu meiden – weiter in Richtung Feldberg.

Der Himmel ist ziemlich wolkenverhangen, der Feldberg sowieso. Aber statt dem angekündigten Dauerregen bleibt es zumindest tatsächlich trocken. Der Wald wirkt somit mystisch und ruhig – nochmals mehr eine Entschleunigung.

 

Die letzten Meter – teils im schwedischen Kungsledenstil über ausgelegte Holzplatten.

 

Ab dem Feldsee komme ich in Richtung Felberg leider auf einen falschen Weg – was bedeutet, dass ich mein Rap samt Gepäck einige Hunderte Höhenmeter und gefühlt ewige Kilometer den Feldberg hinauf schieben und schleppen muss. Auch eine Möglichkeit, mit dem Rad einen Berg zu erklimmen.

Nach einer Weile komme ich endlich oben an und kann die letzten Höhenmeter bis zum Gipfel in Ruhe weiterradeln.

Ich habe freie Sicht und kann hier oben mein zweites Frühstück, bestehend aus einer satten Portion Himbeeren, in Ruhe genießen.

 

Frühstück, das zweite!

 

Wieder mal bin ich einfach nur froh, das Leben so simpel leben zu können.

Wir brauchen so wenig zum Glücklichsein – wie oft vergessen wir dies im Alltag! Es war längst überfällig, mal wieder so minimalistisch unterwegs zu sein.

 

 

Vom Feldberg ausgehend jetzt es dann in Richtung Belchen – meinem nächsten Lieblingsberg im Schwarzwald.

Wie oft  ich schon hier war: mit dem Rennrad, dem Crosser, zu Fuß, während des Superbrevets Belchensatt. Doch noch nie während einer Reise-MTB-Tour!

Auch dies macht den Berg wieder zu einer vollkommen neuen Erfahrung. Im Berghaus Belchen gönne ich mir einen heißen Kakao. Es ist zwar weiterhin trocken geblieben, aber ziemlich kalt geworden, ein bisschen Aufwärmen tut jetzt richtig gut und ich muss sowieso kurz innehalten um mir über meine weitere Route klar zu werden.

 

Mystische Nebelstimmung am Belchen.

 

Tausend Möglichkeiten gäbe es noch, aber nur eine kristallisiert sich dem Bauchgefühl nach deutlich raus: Mich zieht es nochmal in die alten Gefilde, auf meinen ehemaligen Hausberg, dem Blauen und über all die gebliebten Trails die ich dort in der alten Heimat in den letzten Jahren immer wieder gefahren bin.

Doch wird es erstmal langsam Abend somit auch Zeit, sich einen Schlafplatz auszusuchen. Ich radel weiter Richtung Süden und in Richtung Blauen.

Hier komme ich am altbekannten Nonnenmattweiher vorbei, der auf gut 1000 Metern Höhe mitten im Schwarzwald liegt.

Ich beschließe hierzubleiben, denn den Wunsch, hier einmal zu übernachten, hatte ich eigentlich vor Jahren schon mal gehabt. Es wurde also Zeit, sie endlich umzusetzen.

 

Nachtlager, Abendessen, Frühstück.

Es wurde ziemlich frisch und teils auch nass, aber nach einem ordentlichen Abendessen aus frischem Gemüse,  Couscous und einem Haufen Nüsse  (ja, den Luxus an frischem Obst und Gemüse gönne ich mir auf Radlreisen – auch wenn das heißt, dass ich dieses zusätzliche Gewicht auch mitschleppen muss) konnte ich einigermaßen gut unter freiem Himmel am See schlafen. Zwar ist es ungewohnt, nach langer Zeit mal wieder so ungeschützt die Nacht draußen zu verbringen, aber dennoch schaffe ich tatsächlich ein paar Stunden erholsamen Schlaf.

In aller Frühe stehe ich am nächsten Morgen auf, frühstücke und packe schnellstmöglich meine Sachen zusammen, denn es zieht mich auf den Blauen!

Kurze Zeit später bin ich oben – und tatsächlich scheint mir hier die Sonne ins Gesicht, während der restliche Schwarzwald ziemlich wolkenverhangen und neblig ist.

 

 Ausblick vom Blauen, meinem alten Hausberg.

 

Umso schöner wirkt jetzt das ganze Licht und die Natur um mich herum, es ist einfach ein Traum!

Da sich mittlerweile meine Bremsbeläge am Vorderrad komplett verabschiedet haben und mich mit jeder Kurbelumdrehung mit einem lauten, ungesunden Qietschen und Rattern begleiten, versuche ich eine möglichst direkte Route heimwärts anzutreten.

Doch kann ich es trotzdem nicht lassen, zumindest noch einen Abstecher zum Berggasthof Kälbelescheuer zu machen, der in der Vergangenheit schon so oft Ziel meiner Touren war, und auch noch den nächsten Gipfel, den Schauinsland – Freiburgs Hausberg – mitzunehmen.

 

Rast an der geliebten Kälbelescheuer und Retour heimwärts über den Schauinsland.

Auch auf diesem Streckenabschnitt kommt endlich wieder die Sonne raus – entgegen aller Vorhersagen und schlechter Wetterberichte – und macht die letzten Kilometer den Berg rauf zu einer ziemlich schwitzigen, heißen Angelegenheit.

Doch trotzdem – die Freude am Bikepackingradeln und an der Freiheit mit dem MTB ist und bleibt weiterhin ungebrochen – es könnte ewig so weitergehen!

 

Flow auf den letzten Kilometern. Reiseglückseligkeit.

 

Doch zuerst heißt es abwärts – heimwärts. Den Luxus einer Dusche genießen, von den Erinnerungen zehren, das Rad in Ordnung bringen und all die neuen Ideen, die sich während der Tour offenbart haben, zumindest etwas ordnen und vertiefen.

Am Ende dieser drei Tage sind gute 210 km und über 6000 Höhenmeter zusammengekommen. Jeder km und jeder Höhenmeter ist ungeplant, spontan, zwanglos und einfach aus purer Freude am Radeln und Reisen entstanden.

Endlich konnte ich dem Schwarzwald mal richtig Hallo sagen und das auf eine Art und Weise, wie ich sie am liebsten habe: mittels draußen Zuhause und frei unterwegs zu sein. Gleichzeitig hat sich auch wieder gezeigt, dass wir nicht weit fort gehen müssen, um Abenteuer zu erleben: Es geht auch direkt vor unserer Haustür!

Schon am ersten Tag war ich so erfüllt, dass es auch schon gereicht hätte – eine absolute Bestätigung dafür, dass es richtig war, einfach nach dem Bauchgefühl und der inneren Eingebung zu handeln.

Danke, geliebter Schwarzwald – es ist schön, wieder hier zu sein!

 

Von der Kraft unserer Ressourcen.
Was in uns liegt.

4 Kommentare bei „Hello again! – auf Schwarzwald Bikepackingtour 2018.“

  1. Top! Eine wundervolle Runde. Hatte auch mal etwas ähnliches erlebt: https://outdoorhighlights.de/bigfive-schwarzwald-bikepacking/
    Lg. Martin

    1. Hallo Martin, wie witzig! Aber bei dir als Staufner Lokalmatador auch eigentlich kein Wunder.;) Und – wir haben es auch einfach zu schön hier! 🙂 Viele liebe Grüße gen nahen Süden! Leona

  2. Hallo Leona, vielen Dank für Deinen super Toubericht und die Touridee….kommt direkt auf meine to-radel list, (obwohl eine Tour nachfahren eigentlich nicht der Essenz Deines Beitrages entspricht). Habe mein erstes Semester in Freiburg verbracht, wir waren unzählige Male auf dem Schlossberg mit Weinchen und Snackchen und ich habe mich damals immer gefragt, was wohl eigentlich dahinter noch alles kommt….. Vg Stefan

    1. Hallo Stefan, vielen lieben Dank – und sehr gerne! Manche Touren lohnen sich aber nachgefahren zu werden, von daher darf diese hier auch gerne mal wiederholt werden 😉 Und man kann ja beliebig variieren, das ist ja das Schöne dabei! Und: hinterm Schloßberg hat es noch einige tolle Ecken – da lohnt es sich nochmal herzukommen 🙂 Liebe Grüße aus Freiburg! Leona

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