Die Tiefe der Angst in dir.

 

& dann, manchmal, überkommt dich plötzlich so eine Angst.

 

Eine Angst, von der du gar nicht weißt, woher sie eigentlich kommt. Eine Angst, die dich scheinbar ins Bodenlose zieht, die dich auslaugt und lähmt, die dich klein und leise werden lässt.

Es ist eine Angst, die du scheinbar niemals unter Kontrolle haben kannst – ganz gleich, wie sehr du es auch versuchst.

Es ist eine Angst, die dich hemmt, dich aufhält – die dir irgendwann das Leben nimmt.

 

Wann sind die Zeiten, in denen wir uns wirklich geerdet fühlen? Wo sind die Orte, an denen wir wirklich heimisch sind? Wo sind die Menschen, bei denen wir uns wirklich getragen fühlen? Wo ist unser innerer Glaube, der uns unerschütterlich weitermachen lässt?

Wenn wir innehalten – in all unserem Alltagswust – dann wird uns oftmals bewusst, wir sehr wir uns mit jenen Dingen beschäftigen und aufhalten, die uns eigentlich gar nicht am Herzen liegen. Wenn wir innehalten – und auch mal nur für einen kurzen Moment ganz genau aufpassen – dann lodert da plötzlich etwas in uns auf. Es lodert auf und meist – so war es damals oft bei mir – ist es ein Feuer der Angst. Etwas Bodenloses, Halt- & Sinnloses scheint sich dort unter unseren Füßen aufzutun – ganz gleich, ob wir wollen oder nicht.

Und was machen wir dann? – Wir laufen los. Laufen los & rennen weg. Rennen weg von der Angst, weg von dem, was uns unser Innerstes sagen möchte. Wir rennen los und machen weiter wie bisher – nur stärker – mit unserem Alltagswust & Alltagstrott –

& springen freiwillig zurück ins Hamsterrad.

Doch –

Warum & Wofür?

Warum dorthin und Warum zurück – wenn es uns doch so unglücklich macht?

Im Grunde unseres Herzens wissen wir doch, was wir wirklich wollen. Was wir wirklich sind und was wir noch erreichen wollen. Wir kennen unseren Sinn – auch wenn wir ihn scheinbar zwischendurch irgendwo auf der Strecke verloren haben.

 

 

Was liegt vor uns – wenn wir uns wirklich trauen, loszugehen?

 

Um die Angst gehen zu lassen, müssen wir uns ihr stellen. Wir müssen sie ansehen, annehmen und akzeptieren. Sie mag da sein – doch sie kann uns nichts tun. Denn sie ist nur Angst – und niemals unser Leben. Sie ist nur Angst – und niemals unser Sein.

In den Zeiten, in denen ich vor der Angst geflohen bin, war ich mir selbst am fremdesten. Mein Streben richtete sich danach, ein anderer Mensch zu sein, eine andere Seele zu haben, einem anderen Körper innezuwohnen. Nach Jahren des Rennens weiß ich heute, dass diese Flucht endlos gewesen wäre.

Denn es ist so:

Das, was ich am wenigsten verneinen kann – bin ich selbst. 

Und je mehr ich mich verneinte, desto größer wurde die Angst. In jeder stillen Sekunde, in jedem Innehalten, in jedem ruhigen Moment – ploppte sie plötzlich wieder auf. Laut und ungestüm, unhaltbar und unkontrollierbar. Und anstatt sie anzusehen, rannte ich einfach blindlings los – weg von ihr und weg von dem, was sie mir sagen wollte.

Weg von dem, was dort in meinem tiefsten Inneren schon viel zu lange brodelte.

 

 

Innehalten. Hinstehen. & Hinsehen. 

 

Wir sind immer bei uns – so schnell wir auch rennen mögen. Wir sind immer bei uns – egal, wie sehr wir uns dagegen sträuben mögen. Wir sind immer bei uns – egal, was uns im Leben geschehen mag.

Das, was sich damals wie ein Fluch anfühlte – ist heute mein Segen. Denn ich weiß – ich bin immer bei mir! Wenn ich innehalte und bodenlos werde, den Boden unter mir verliere und der Keim der Angst aufkommt – beginne ich zu atmen. Tief ein- und auszuatmen – mit dem Bewusstsein, dass ich einfach da bin, mit all meinen Facetten, mit all meinen Gefühlen, mit all meinem Sein. Und dass genau diese Tatsache alleine – fürs Erste – vollkommen ausreicht.

Alle Ängste dieser Welt – was können sie uns schon anhaben

– wenn wir doch uns doch jederzeit beistehen und für uns selbst sorgen?

 

Egal, was uns Angst macht – es gibt eine Tatsache, die so simpel wie wahr ist:

Wir haben nur eins zu verlieren – und das ist unser Leben.

 

 

Was wir das Leben nennen.

 

Bei jeder Entscheidung, die ich treffe, jedem Handeln, jeder Idee, die ich umsetze – und die mir vielleicht Angst macht – kommt es einfach nur auf genau diese Tatsache an. Wenn ich doch nichts zu verlieren habe, bis auf mein Leben – dann schütze ich mein Leben und lebe es so bewusst, frei und mutig, wie ich nur kann. All die Sorgen, die wir uns machen – egal in welchem Kontext – sie sind hinfällig, wenn es darum geht, was wirklich zählt.

Denn oftmals passieren uns genau jene Dinge, um die wir uns niemals je gesorgt hätten. Dinge, die wir niemals für möglich gehalten hätten – selbst in unseren schlimmsten Albträumen nicht. Treten diese Dinge dann eines Tages ein, wird uns bewusst, wie hinfällig all unsere vorherigen Sorgen denn eigentlich waren. All unsere Ängste, unsere Bedenken, unser Hadern, unser Planen um die Angst drumrum – sind hinfällig, wenn wir erfahren, was das Leben denn eigentlich wirklich für uns bereithält.

Wie wäre es, wenn du die Angst nun ansehen könntest

–  lächelnd & wohlwissend, dass sie nicht dein Feind, sondern einer deiner größten Freunde ist?

Wie wäre es, wenn du dem, was dein Herz dir sagt, zutiefst vertraust?

Wie wäre es, wenn du für dich einstehst, dich und deine Träume, für das, was wirklich für dich zählt?

 

Was wäre, wenn du durch diese Tür zurück zu dir selbst, auch wirklich hindurch gehst?

 

Wachstum & Wandel erfordern Tiefe. Tiefe erfordert, in Abgründe zu schauen. Abgründe erfordern Mut und Mut erfordert Selbstvertrauen. Wenn wir wachsen wollen, müssen wir tiefer gehen – mutig, vertrauend auf uns selbst, unser Können, unsere Vision – vertrauend darauf, dass alles gut werden wird.

Und solange wir dabei unser Leben nicht verlieren – wird auch alles gut.

Wachstum & Wandel sind das, was wir das Leben nennen. Es ist das, was uns wirklich nährt und unser Leben bereichert. Mit wie viel Tiefe gibt man sich zufrieden – und ab welcher Tiefe spürt man die wahre Erfüllung?

Wir geben uns oft kaum mehr die Möglichkeit, für uns zu sein. Unser Alltag, die Termine, das Handy – all das raubt uns die Zeit mit uns selbst. Und bringt uns langfristig immer weiter aus unserem inneren Gleichgewicht. Es ist Zeit, sich wieder Raum zu schaffen – zum Freisein, zum Nachdenken – um überhaupt wieder mehr in diese Tiefe zu kommen. Permanent begleitet von Hunderten an Reizen, vom Gedanke, funktionieren zu müssen, zu leisten, zu hetzen und zu rennen – kann unsere Seele sich niemals mehr zu Wort melden.

 

 

Die Momente des Lebens – in jeder Sekunde voll auskosten.

 

Es mag zwar auch unsere Angst stillhalten – doch wird sie nur noch lauter werden, gibt man ihr eines Tages wieder mehr Raum.

Schenk dir den Mut und die Zeit, hinzuschauen und hinzufühlen.

Schenk dir diese Momente, gestehe sie dir ein & trau dich, deinen Weg zu gehen.

 

Denn wenn mein Warum ist, mein Leben wirklich ganz zu leben –

dann muss ich in die Tiefe, zurück zu meinen Wurzeln, zurück zu dem, was in mir liegt.

Es kommt dann erst die Angst –

und dann die Freiheit.

 

Eifel Graveller 2019 - Back on track to keep on pushing. snacking. & cycling.
Von der Suche nach dem Sinn - the sense of Status quo.

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